Dann kifft halt nicht ist nicht genug!

  • Veröffentlicht am: 30. November 2007 - 14:12
  • Von: deradmin

Meldung des DHV vom 30. 11. 2007

Seit einem Jahr kämpft der DHV gegen verunreinigtes Marihuana. Die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing wollte sich lange überhaupt nicht zu dem Thema äußern und begreift den Ernst der Lage noch immer nicht!
Dabei ist selbst Unbeteiligten nicht erst seit der Verseuchung des Leipziger Cannabismarktes mit bleihaltigem Marihuana klar, welche Gefahren von Streckmitteln in Cannabisprodukten ausgehen.

Sabine Bätzing, MdB SPD, Drogenbeauftragte der Bundesregierung Sabine Bätzing, MdB SPD, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Mehr als 1000 Protestemails an Bätzing

Mehr als 1000 Menschen haben sich bereits an die Drogenbeauftragte gewandt und von ihr gefordert:

  • Analysieren Sie Cannabis auf Verunreinigungen und Beimengungen und ermitteln sie das Gesundheitsrisiko!
  • Stellen Sie allen Konsumenten und Hilfseinrichtungen sachliche Informationen über die gefundenen Verunreinigungen zur Verfügung!
  • Ermöglichen Sie Cannabis-Checking! Schaffen Sie eine Möglichkeit, Cannabisprodukte anonym auf Fremdstoffe und Verunreinigungen prüfen zu lassen.
  • Legalisieren Sie den Eigenanbau durch Konsumenten! Der beste Schutz gegen Profitgier und Schwarzmarkt ist die Möglichkeit, Cannabis für den eigenen Bedarf selbst anzubauen.

Dennoch unterließ es die Bundesdrogenbeauftragte, den berechtigten Forderungen konsequente Aufklärung, Risikobewertung und Entkriminalisierung nachzukommen. Sie erklärte kurzerhand, dass die Analyse von Marihuana auf Streckmittel eine "unzulässige Verharmlosung des Konsums" sei. Nach der gleichen Logik könnte man Hinweise auf schwarz gebrannten Schnaps ignorieren, der Blindheit verursacht und stattdessen dazu aufrufen, vollständig auf Alkohol zu verzichten.

Erst als der DHV mit Unterstützung der Medien damit begann, hunderte "Dienstaufsichtsbeschwerden" an die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt zu senden, und darin auf die Untätigkeit der Bundesdrogenbeauftragten aufmerksam machte, sah sich Sabine Bätzing gezwungen, zumindest einen Hinweis über die Existenz von verunreinigtem Cannabis auf ihrer Webseite zu veröffentlichen.
Sie nutze die Gelegenheit jedoch nicht, um ehrlich über die Gesundheitsrisiken zu informieren. Stattdessen forderte Bätzing die 4 Millionen Cannabiskonsumenten Deutschlands zur Abstinenz auf. Die einzige Information, die das Bundesgesundheitsministerium Konsumenten und Angehörigen über Monate anbot, war, " dass eine geeignete Strategie, die gesundheitlichen Risiken des Konsums von verunreinigtem Cannabis zu vermeiden, darin besteht, auf den Konsum von Cannabis überhaupt zu verzichten."

Gesundheitministerium weiter zu zögerlich

Das Gesundheitsministerium sendete keine Warnung an Krankenhäuser oder Einrichtungen der Suchthilfe und veröffentlichte noch nicht einmal eine entsprechende Presseerklärung!
Noch immer hielt Ulla Schmidt an der Argumentation der Drogenbeauftragten fest. Dies bekräftigte sie nicht nur in ihrer Reaktion auf den Protestmailer, sondern auch in der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen zum Thema "Aufklärungsmaßnahmen zu gesundheitlichen Risiken durch verunreinigte Cannabisprodukte". Die Gefahren bleihaltiger Cannabisprodukte wurden vom Bundesgesundheitsministerium weiter unterschätzt.

Zitat aus dem Protokoll des Deutschen Bundestages (16.Wahlperiode, 125. Sitzung, 14.11.2007)

" Dr. Harald Terpe: Herr Staatssekretär, zunächst vielen Dank für die Antwort. Ich möchte dann aber doch noch einmal nachbohren und nachfragen, wie Sie den Zusammenhang herstellen wollen, dass das eine Verharmlosung ist. Bleivergiftungen sind doch nun wirklich sehr starke Gesundheitsgefahren. Wir wissen, dass es nicht nur um Blei geht, sondern dass auch andere Substanzen beigemengt worden sind, die das Leben der jungen Leute gefährden können. Ich denke, es müsste trotzdem das Ziel sein, dass darauf eindeutig hingewiesen wird, und dass das andere doch sozusagen eher ein Hilfsargument ist. Können Sie mir das bitte noch einmal auseinandersetzen?

Rolf Schwanitz: Ich glaube, es liegt in unser aller Interesse, dass keine widersprüchlich erscheinenden Signale ausgesendet werden. Die Bundesregierung hat durch das Unterverbotstellen des Cannabiskonsums und auch des Vertreibens die schärfste Art und Weise der Positionierung gewählt. Deshalb sind wir der Auffassung, dass ein solcher Hinweis in der Tat auch als eine Relativierung dieses Verbots missverstanden werden könnte."

DHV informiert über Blei im Gras

Obwohl der DHV bereits am 17. Januar 2007 vor bleihaltigem Marihuana warnte, dauerte es bis zum 28. November 2007, bis Sabine Bätzing sich des Themas annahm. Sie sieht in den Meldungen aus Leipzig zwar "eine neue Dimension der Gesundheitsgefährdung beim Konsum von Cannabis", weigert sich aber immer noch, über die konkreten Gefahren des mit Bleisulfid verunreinigten Marihuanas zu informieren.

Bei rund 100 dokumentierten Bleivergiftungen nach dem Genuss von Marihuana allein im Raum Leipzig ist jedes weitere Zögern der Bundesdrogenbeauftragten eine fahrlässige Körperverletzung.

Auch wenn die Homepage des Deutschen Hanf Verbandes es nicht mit der des Bundesgesundheitsministeriums aufnehmen kann und bei weitem nicht genug Menschen erreicht, möchten wir über die Anzeichen einer Vergiftung und die richtige Behandlung informieren. Dies tun wir, weil ehrliche Information über Risiken die beste Prävention ist!

Wir wollen nicht riskieren, dass noch mehr Menschen sich mit Blei vergiften, nur weil sie Cannabis konsumieren. Deshalb informieren wir über die besonderen Gefahren.

Volker Beck: Bätzing leugnet Realität

Volker Beck, MdB, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen; Quelle: Deutscher Bundestag/Angelika Kohlmeier Volker Beck, MdB, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen; Quelle: Deutscher Bundestag/Angelika Kohlmeier

Wer jedoch angesichts dutzender Patienten mit zum Teil lebensbedrohlichen Vergiftungen weiter schweigt, der verharmlost den Konsum von gestrecktem Gras und ist für das Leid der Betroffenen ebenso verantwortlich, wie die gewissenlosen Produzenten des bleiverseuchten Marihuanas.

Das "Dann kifft halt nicht." der Bundesdrogenbeauftragten Sabine Bätzing schützt niemanden vor dem gestiegenen Gesundheitsrisiko. Es geht an der Wirklichkeit vorbei und gefährdet das Leben von 4 Millionen Cannabiskonsumenten in Deutschland.

Volker Beck am 14.11.2007 im Deutschen Bundestag:
"Warum reagieren wir beim Thema Alkohol anders und sagen den Leuten, wie sie sich verhalten sollen, agieren aber nicht mit einem Verbot? Können Sie angesichts der Schäden, die Alkohol in unserer Gesellschaft hervorruft, erklären, warum Sie hier unterschiedlich verfahren und die Realität im Bereich des Cannabiskonsums systematisch nicht wahrnehmen wollen und deshalb den notwendigen Verbraucher- und Gesundheitsschutz vermissen lassen?"

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