Bundesregierung sieht in Warnung vor Streckmitteln Verharmlosung des Cannabiskonsums

  • Veröffentlicht am: 28. September 2007 - 15:26
  • Von: deradmin

Meldung des DHV vom 28. 9. 2007

Das Gesundheitsministerium hat auf hunderte Emails im Rahmen einer DHV-Aktion geantwortet und damit die Debatte um gestrecktes Marihuana neu entfacht. Georg Wurth erläutert in einem Radio-Interview den Stand der Dinge.

Schon seit Anfang des Jahres weist der Deutsche Hanf Verband vehement auf gefährliche Streckmittel in Cannabisprodukte hin. Die Bundesregierung lehnte es bisher ab, sich damit näher zu befassen, obwohl sich über 900 besorgte Bürger mit einer Protestmail an die Drogenbeauftragte gewandt hatten.

Nachdem der DHV im August einen weiteren Protestmailer online gestellt hatte, der sich direkt an die Gesundheitsministerin wendet, gab es zumindest eine minimale Reaktion. Die Teilnehmer erhielten diesmal eine Antwort, in der auf eine Stellungnahme der Bundesdrogenbeauftragten Sabine Bätzing zu gestrecktem Gras hingewiesen wurde, die diese auf ihrer Webseite veröffentlicht hat.
Damit ist zum ersten Mal ein konkreter Hinweis auf Streckmittel in Cannabisprodukten auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) zu finden. Konkrete Warnungen vor dem Konsum von verseuchter Ware oder Hinweise auf geplante Gegenmaßnahmen der Regierung sind allerdings nicht Teil der Verlautbarung. Stattdessen bekräftigt die Drogenbeauftragte die Auffassung, "dass eine geeignete Strategie, die gesundheitlichen Risiken des Konsums von verunreinigtem Cannabis zu vermeiden, darin besteht, auf den Konsum von Cannabis überhaupt zu verzichten."

Darüber hinaus verweist sie lediglich auf die Beantwortung einer Kleine Anfrage der Grünen Bundestagsfraktion zu dem Thema, in der die Bundesregierung unter anderem schreibt:
"Ein gesonderter Hinweis auf die zusätzliche Gefährlichkeit von verunreinigtem Cannabis könnte aus Sicht der Bundesregierung als Verharmlosung des Konsums von Cannabis an sich missverstanden werden."

Der DHV hält den Rückzug auf eine Konsumverzichtsstrategie nicht für eine angemessene Reaktion auf ein Problem, das die Gesundheit von Millionen Konsumenten gefährdet. Deshalb hat Georg Wurth die verschiedenen Argumente des BMG in einem offenen Brief noch einmal genau analysiert und der Regierung die Denkfehler in ihrer Argumentation aufgezeigt.

Einerseits macht er deutlich, dass die Verunreinigungen eine erhebliche zusätzliche und vermeidbare Gefahr für alle Cannabiskonsumenten darstellen. Das durch Streckmittel entstehende Gesundheitsrisiko geht weit über die normalen Risiken des Cannabiskonsums hinaus und betrifft weit mehr Menschen als den relativ kleinen Teil der Risikokonsumenten. Außerdem macht er einmal mehr auf die willkürliche Einstufung von Cannabis als illegale Droge aufmerksam, gerade im Vergleich zu Alkohol:
"Der Vergleich drängt sich auf: Was würden Sie tun, wenn Sie Hinweise auf schwarz gebrannten Schnaps erhalten würden, der Blindheit verursachen kann? Würden Sie es bei dem Tipp belassen, am Besten vollständig auf Alkohol zu verzichten?"

Der DHV bekräftigt seine Forderungen, die Folgen der Streckmittel für die Gesundheit zu ermitteln, Analysemöglichkeiten für die Konsumenten zu schaffen und den Anbau einiger Hanfpflanzen für den Eigenkonsum zu erlauben. Da die Antwort der Bundesregierung bisher derart unbefriedigend ausgefallen ist, lässt der DHV auch die beiden Protestmailer online, die sich deswegen an die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing und Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt wenden und ruft dazu auf, bei der Bundesregierung gegen die Untätigkeit der obersten Gesundheitswächter zu protestieren.

Derweil stößt das Thema auf ungebrochenes Interesse der Medien. So wurde am 26. September ein Live-Interview mit Georg Wurth auf Radio Corax ausgestrahlt. Darin betont Wurth, dass die Politik mit dem starren Festhalten am Cannabisverbot den Handel mit mehreren hundert Tonnen Cannabisprodukten jährlich dem Schwarzmarkt überlässt.
Die Politik trage deshalb auch die Verantwortung dafür, dass 4 Millionen deutsche CannabiskonsumentInnen ungeschützt erheblichen von Streckmitteln ausgehenden Gefahren ausgesetzt sind, anstatt ein staatlich geprüftes Produkt erwerben zu können. Dem DHV gehe darum, einen derzeit völlig freien Markt verbraucherfreundlich zu regulieren. Dieses Ziel sei zwar nicht kurzfristig zu erreichen, aber die Legalisierung von Cannabis werde sicher kommen.

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