Ich bin Patient und will legal Cannabis anbauen. Was ist zu tun?

Der Kampf um eine Genehmigung zum Eigenanbau von Cannabis als Medizin in Deutschland ist nicht leicht. Im Jahr 2005 entschied das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG), dass das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Anträge von Schwerkranken für eine Genehmigung für den Besitz und Anbau von Cannabis als Medikament nicht prinzipiell ablehnen kann.

Im Jahr 2012 gab es ein viel beachtetes Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster zum Thema Eigenanbau von Patienten. Im Juli 2014 führte ein anderes Urteil des Oberverwaltungsgerichts Köln zu einem riesigen Medienrummel.

Seitdem haben viele Patienten solche Anträge beim BfArM eingereicht. Nach dem Urteil des Leipziger Bundesverwaltungsgerichts 2016 erteilte das BfArM zwei Patienten in Deutschland eine zeitlich beschränkte Genehmigung für den Eigenanbau von Cannabis als Medikament. Einen Musterantrag für den legalen Eigenanbau hat das Selbsthilfenetzwerk Cannabis als Medizin veröffentlicht. Die Tatsache dass viele Menschen solche Anträge gestellt hatten, trug entscheidend mit zur politischen Veränderung bei, die durch die Gesetzesänderung vom März 2016 öffentlich wurde.

Die Regierung ermöglicht mit dem neuen Gesetz für Cannabis als Medizin schwerkranken Menschen, Cannabis auf Kosten der Krankenkasse zu erhalten. Also genau jenen Menschen, die ansonsten realistische Chancen auf eine Genehmigung zum Eigenanbau gehabt hätten.

Damit wird das Erlangen einer Anbaugenehmigung schwieriger, es ist aber nicht völlig unmöglich. In Fällen in denen die Krankenkasse die Kosten für Cannabis nicht übernimmt oder kein Arzt gefunden wird, der ein Kassenrezept ausstellt, macht es Sinn weiterhin auf das Recht zum Eigenanbau zu klagen.

Auch wenn die Kasse die Kosten übernimmt, werden einige Patienten weiterhin den Eigenanbau bevorzugen. Viele Betroffene haben seit Jahrzehnten Erfahrung mit selbst gezüchtetem Cannabis und nutzen eventuell schon sehr lange eine ganz bestimmte Sorte oder Anbaumethode. Dieses Bedürfnis lässt sich auch gegenüber Richtern und Behörden darlegen.