CBD vor dem Aus in Europa?

  • Veröffentlicht am: 19. August 2020 - 12:50
  • Von: Sascha Waterkotte

Seit Wochen geistern Meldungen herum, nach denen die Europäische Kommission eine Neubewertung von Cannabidiol (CBD) plane, welche CBD als Betäubungsmittel klassifizieren soll. Der Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW) hat zur Klärung des Sachverhalts den Sprecher der Europäischen Kommission in Deutschland, Reinhard Hönighaus, kontaktiert. Dieser bestätigte dem BvCW, dass

“nach vorläufiger Ansicht der Kommission [...] CBD, das aus den blühenden und fruchtbaren Spitzen der Hanfpflanze (Cannabis sativa L.) gewonnen wird, als Betäubungsmittel betrachtet werden [sollte], das unter das Einheitliche Übereinkommen der Vereinten Nationen über Suchtstoffe von 1961 fällt.”

Aus Sicht der EU-Kommission könnte CBD infolgedessen

“gemäß dem Allgemeinen Lebensmittelgesetz nicht als „Lebensmittel“ eingestuft werden und würden nicht in den Anwendungsbereich der Verordnung über neuartige Lebensmittel fallen”

, so der Sprecher weiter. Diese vorläufige Aussage der EU-Kommission zu CBD widerspricht nicht nur wissenschaftlichen Erkenntnissen über das Potential des Wirkstoffs, sondern ist auch komplett gegensätzlich zur Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation, welche Anfang des Jahres folgendes festhielt:

“Cannabidiol shows no potential for abuse or dependence and any ill-effects are minimal. It is no similar to any other substance controlled under the 1961 Convention. Cannabidiol does have effects on the brain, but like many other substances with such effects, it is not considered psychoactive as it has no significant effects on mental state. Based on this evidence, and its value as a medicine, the Committee considered that cannabidiol should not be controlled under the 1961 Convention.”

Auch nach deutschem Recht ist CBD kein Betäubungsmittel im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG). Angesichts von geschätzten 3 Millionen regelmäßigen CBD-Konsumentinnen und -konsumenten und einer trotz aller Widrigkeiten weiterhin stark wachsenden Branche könnte die Europäische Kommission im Falle einer finalen Neubewertung von CBD diese Branche aber komplett beseitigen. CBD wäre dann wohl nur noch in Apotheken verfügbar. Kritisch äußert sich der Präsident des Branchenverbands Cannabiswirtschaft e.V., Dr. Stefan Meyer: 

Eine Neueinstufung von CBD als Betäubungsmittel würde die wachstumsstarke CBD-Branche gefährden. Es liegen keinerlei wissenschaftlichen Erkenntnisse vor, die es sinnhaft erscheinen lassen, CBD als Betäubungsmittel zu deklarieren. Niemand braucht einen weiteren Schwarzmarkt. Stattdessen würden wir uns als Cannabiswirtschaft darüber freuen, zusammen mit der Bundesregierung über praktikable und sinnvoll regulierte Marktbedingungen für cannabinoidhaltige Produkte in Deutschland und der EU zu reden. Dazu gehört auch die Selbstregulierung der Branche und die Sicherheit für Verbraucherinnen und Verbraucher durch Qualitätsstandards. Manche Überregulierungen müssen fallen, andere Standards sollten hinzukommen.“

Um der EU-Kommission Druck zu machen, hat sich der Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, gewandt. Darüber hinaus hat der BvCW e.V. ein Musteranschreiben an Bundestagsabgeordnete entwickelt, damit betroffene Unternehmer ebenfalls Druck aufbauen können. Der Deutsche Hanfverband empfiehlt betroffenen Produzenten, Händlern und Konsumenten, sich der Initiative des Branchenverband der Cannabiswirtschaft anzuschließen, um Einfluss auf die noch ausstehende endgültige Entscheidung der Europäischen Kommission zu nehmen.

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Kommentare

Die Umsetzung und Rahmenbedingungen für "Cannabis auf Rezept" ließen schon Schlimmes ahnen. Jetzt soll eben der Königin der Nutzpflanzen endgültig der Garaus gemacht werden – und allen die diesem Naturkult anhängen auch.

Gewinn- und Machtmaximierung für die Pharma und Eliten um jeden Preis!
Nichts weniger als die Freiheit des Menschen zu tun und zu lassen wie es ihm gefällt, wird mal wieder um eine Salamischeibe mehr beschnitten.

... Profit over people ... so sieht's aus.

Vielleicht, wenn in ein paar Jahren die ganz große Klimakatastrophe anrollt (und die wird kommen und alle Vorstellungen sprengen) wird dieses kranke und kaputte System mit untergehen.

Hallo . ich finde es sehr schade, dass Ihr die Petition dagegen nicht unterstützt. Vielleicht lebt Ihr als Hanfverband ja davon, dass es illegal wird, oder ist das nur meine plumpe Interpretation? https://www.change.org/p/european-parliament-cbd-darf-nicht-als-droge-eingestuft-und-muss-als-lebensmittel-anerkannt-werden?recruiter=1139274129&utm_source=share_petition&utm_medium=copylink&utm_campaign=share_petition&utm_term=share_petition

Hallo Cyrus!
Petitionen auf offenen Plattformen außerhalb des Petitionssystems des Bundestages unterstützen wir grundsätzlich nicht, weil wir sie für wenig zielführend halten. Siehe auch:

https://hanfverband.de/faq/startet-doch-mal-eine-petition-auf-changeorg-...

Einen anderen Schluss als dass es sich bei sämtlichen Spitzenpolitikern in EU und D (eigentlich auch überall sonst) um Kiminelle handelt, die die Bevölkerung maximal schädigen möchten und dies mit lächerlichen Ausreden versuchen zu verschleiern kann ich nicht mehr treffen.

Erlaubt sind nur die tödlichsten Gifte und das ist zum Schutz unserer Gesundheit so - ja nee ist klar.

Der Spruch "erkläre nie mit Böswilligkeit was mit Unfähigkeit ausreichend erklärt ist" kann ich nicht mehr anwenden. Über Jahrzehnte sämtliche Fakten zu ignorieren und jeden Trick und Kniff anzuwenden um eine Lockerung auf die lange Bank zu schieben - aber gleichzeitig zur Werbezwecken so zu tun als wäre man dafür (zB SPD,Grüne) bzw. dieselben niemals stichhaltigen und schon vielfach widerlegten Behauptungen auszukramen (zB CDU/CSU) zeugt auch nicht von Unfähigkeit sondern von krimineller Energie und Geschick.

In einer EU die rechstaatlich organisiert wäre und nicht nur so täte säßen diese Menschen im Gefängnis.

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