ABDA: Apotheken riskieren Strafen für günstige Medizinal-Cannabisblüten

  • Veröffentlicht am: 1. November 2018 - 15:23
  • Von: Michael Knodt

Patienten berichteten in letzter Zeit immer wieder von Apotheken, die aus Angst vor finanziellen und berufsrechtlichen Konsequenzen die Preise für Cannabis Flos erhöht haben. Konkret geht es hier um Fälle aus Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) hat jetzt auf Anfrage bestätigt, dass Apotheken, die Cannabis abgeben, ohne die derzeit heiß diskutierten Aufschläge vollends zu berechnen, eine Ahndung durch die jeweilige Landesapothekenkammer riskieren. Vier zeitgleiche Anfragen bei den Apothekenkammern Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen (Lippe) und der Bundesapothekerkammer (BAK) haben übereinstimmend ergeben, dass Cannabis derzeit für rund 24 Euro pro Gramm verkauft werden muss, wenn die Apotheken sich wie gesetzlich vorgeschrieben an die Arnzeimittelpreisverordnung (AmPreisV) halten.

Die stellvertretende Sprecherin der ABDA, Dr. Ursula Sellerberg, schreibt in einer Mail vom 29. Oktober, dass die Systematik der Preisbildung in der Arzneimittelpreisverordnung eindeutig geregelt ist und für alle Apotheken gleich sei. Bei einer ärztlichen Verordnung von Cannabisblüten gelten diese laut Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) als Rezepturarzneimittel. Werden sie dann in unverändertem Zustand umgefüllt, abgefüllt, abgepackt oder beschriftet und an den Patienten abgegeben, ist gemäß §4 AmPreisV ein Aufschlag von 100% zu berechnen. Werden die Cannabisblüten zusätzlich zerkleinert, gesiebt oder in Einzeldosen verpackt, ist laut den Neue Rezeptur-Formularium (NRF)-Vorschriften ein Aufschlag von 90% zu berechnen, zu dem noch diverse Gebühren hinzukommen.

Dreieinhalb mal so teuer wie im Nachbarland

Hier zwei Beispiele zur Verdeutlichung. Um es einfach zu halten, gehen wir hier von einem Apothekeneinkaufspreis von zehn Euro aus. Dieser Wert kommt dem realen Einkaufpreis ziemlich nahe. Allerdings variiert der Einkaufspreis für Apotheken je nach Menge und Sorte.

Patient A geht mit einem Rezept über 10 Gramm Cannabisblüten der Sorte XY in die Apotheke. Auf dem Rezept hat der Arzt das Wort „unzerkleinert“ hinzugefügt. Somit wird die Medizin gemäß §4 der AmPreisV verkauft. Der Apotheker versieht die Originaldosen lediglich mit einem Label. Zuzüglich können die Apotheken die Betäubungsmittelgebühr nach §7 AMPreisV in Höhe von 2,91 Euro einschließlich Umsatzsteuer berechnen. Patient A bekommt die 10 Gramm demnach für 240,91 inklusive 19% Mehrwertsteuer.

    100,00 €(Einkaufspreis der Apotheke)

+ 100,00 €(vorgeschriebener Aufschlag der Apotheke)

    200,00 €

+  38,00 € (19% Umsatzsteuer)

+   2,91 € (Betäubungsmittelgebühr)

   240,91 €

Patientin B geht mit einem Rezept über 10 Gramm Cannabisblüten der Sorte XY in die Apotheke. Auf dem Rezept fehlt das Wort „unzerkleinert“. Jetzt werden die Blüten zerkleinert, in die auf der Verordnung angegebenen Einzeldosen aufgeteilt, umverpackt und deshalb gemäß §5 der AmPreisV verkauft. Der Endpreis von 245,37 Euro setzt sich dann wie folgt zusammen:

  100,00 €(Einkaufspreis der Apotheke)

+ 90,90 € (90% Aufschlag gemäß $ 5 AmPreisV.)

+  1,00 € (Verpackung)

+  3,50 € (Rezepturzuschlag)

+  8,35 € (Festzuschlag für Rezepturen) 203,75 €

+ 38,71 € (19% Umsatzsteuer)

+ 2,91 € (Betäubungsmittelgebühr)

  245,37 €

Die einzige Gebühr, auf die die Apotheken verzichten dürfen, ohne gegen die AmPreisV zu verstoßen, ist die Betäubungsmittelgebühr in Höhe von 2,91 pro eingereichtem Rezept. Das sollte angesichts der Situation in den Niederlanden, wo die selbe Medizin unter ähnlich peniblen Sicherheitsvorschriften bei ähnlicher Gesetzeslage für sieben Euro an den Patienten abgegeben wird, zu denken geben. Mittlerweile soll es auch schon die ersten Fälle geben, in denen Apotheken aufgrund einer zu patientenfreundlichen Preisgestaltung abgemahnt wurden. Laut ABDA und den drei anderen Länderkammern musste bis jetzt noch keine Apotheke zahlen. Das heißt aber nicht, dass etwaige Verfahren bereits initiiert wurden, denn über eventuell laufende Verfahren geben die Apothekerverbände keine Auskunft. Die Sprecherin der ABDA bestätigt in ihrem Schreiben ebenso, dass die Aufsichtsbehörden der Länder Verstöße gegen die Arzneimittelpreisverordnung ahnden können.

Bayern betont zusätzlich berufsrechtliche Schritte

Eine Sprecherin der bayrische Apothekenkammer ergänzt, dass „neben von der ABDA erwähnten Ahndung eine berufsrechtliche Ahndung durch die Kammer hinzu kommt.“  Bisher lägen solche Fälle in Bayern noch nicht vor, allerdings dürfe die Bayerische Landesapothekerkammer konkrete Einzelfälle aus datenschutzrechtlichen Gründen keine näheren Informationen geben.

Ein Sprecher der Apothekenverbände Westfalen-Lippe bestätigt, dass die Kammer bislang bisher in der Sache nicht tätig war. „Westfalen-Lippe noch keinen Verstoß gegen die Arzneimittelpreisverordnung mit einem Bußgeld belegt; insofern ergab sich für uns als Kammer bisher auch noch kein sog. berufsrechtlicher Überhang, der von uns zu verfolgen wäre.“ Auch die Antwort aus Baden-Württemberg bestätigt die Gefahr, in der sich Apotheken, die Cannabis billiger als vorgeschrieben abgeben, befinden. Auch dort können „Verstöße gegen die Arzneimittelpreisverordnung berufsrechtliche Folgen haben. Inwieweit hier Konsequenzen durch die Überwachungsbehörden zu erwarten sind, ist uns nicht bekannt“, heißt es aus der Pressestelle der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg.

Die Zeiten, in denen Apotheken den Patienten, die ihre Medizin oft selbst zahlen müssen, den Patienten entgegenkommen durfte, indem sie auf eigene Gewinne verzichteten, scheinen endgültig vorbei.

 

Kommentare

Dann kann ich mir meine Medizin wohl nicht mehr leisten und werde wieder auf illegalen Weg meine Medizin besorgen müssen. Selbst die fast 13€ waren für mich kaum finanzierbar. Wenn ich es selber anpflanze zahle ich unter 2€ für 1g und kann mir sicher sein, dass es nicht bestrahlt, oder mit irgendwelchen chemischen Düngern belastet ist und dass trotz steigender Strompreise. Wenn mir das Erlernen fremder Sprachen nicht so schwer fallen würde, würde ich auswandern, eine Arbeitsstelle als Pfleger bekomme ich mit wesentlich besseren Konditionen im Ausland und hier wird man doppelt bis dreifach verschlissen. 12 Tage Wochen mit häufig vorkommenden Doppelschichten und einen miserablen Lohn und schlechte Gesundheitsversorgung. Ich hoffe bei den nächsten Wahlen bekommen die Verantwortlichen die Konsequenz für ihr Verhalten.

Goldgräberstimmung war gestern. Heute macht man Geld mit Cannabis.
Als Produzent.
Als Importeur.
Als von drohender Armut gebeutelter Apotheker
oder als Aktionär.

Der Grund für die (enorm) hohen Preise düfte m.E. in internem gesundheitsministeriellen Bemühen liegen, "wirksamen Jugendschutz durch Preisgestaltung" zu entfalten. Ebenso in quasi moralischer Haltung manch mitwirkender Preisprofiteure im Sinne von "Wenn schon der Staat als Dealer auftritt, dann aber bitteschön mit (bildlich) "Diamant im Eckzahn und schwerer Platin-Kampfhund-Halskette", weil`s ja sowieso der ordinäre Beitragszahler löhnt. Da darf`s dann auch gerne die Cannabis-Luxus-Variante sein.

Es ist angesichts so toll rollenden Rubels kein Wunder, dass (relativ harm- und risikoloser) Anbau für den Eigenbedarf vehement abgelehnt wird.
Unabhängig davon, wie gut wirksam die selbst angebaute/n Sorte/n letztendlich ist/sind, denn die mühsame Suche nach DER für die individuellen gesundheitlichen Belange "richtigen Sorte" ist ebenso im legalen Apotheken-Versorgungswesen wie beim Heimlich-Anbau ein zeitaufwendiges Unterfangen.

(Life)time is(Cannabis)money...

Natürlich ist Cannabis von der Fensterbank, aus dem Grow-Zelt oder Grow-Room tausendfach billiger als Apo-Ware. Das gesundheitliche Risiko solcher Produkte dürfte zudem das Risiko jenes Winzers nicht übersteigen, der über die Jahre hinweg ausgiebig eigene Produkte verkostet.
Deshalb ist die Stimmung beim Eigenanbau - wenn schon nicht vergleichbar mit der des Goldgräbers, dennoch durchaus vergleichbar mit der Stimmung des Gold-Esels.
Zum Eintritt des Rentenzeitpunktes.

Also ich kanns ja Verstehen - bzw. würde nichts anderes erwarten - wenn all die Anti-Cannabis-Lobbies versuchen alles dafür zu geben, die gesellschaftliche Etablierung zu verhindern, aber das jetzt auf dem Rücken der Apotheker auszutragen, die sich Mühe geben wollen, ist einfach böse! Von den Patienten ja sowieso ganz zu schweigen!! Sowas tut man nicht mit einer demokratischen Bevölkerung; das sind keine Methoden, das ist krank!

enttäuschte Grüße medsen

Hmm in Deutschland ist man nichts wert als Mensch,
oder für die Pharma viel ...

schon traurig das die Politik in Europa das selbe Geld aber unterschiedliche Gezetze für gleiche Menschen nutzt...

Deshalb wird so gegen Cannabisblüten vorgegangen Fakten Sammlung: https://www.facebook.com/groups/493389794498037/permalink/493390547831295/

Was auch erwähnt werden sollte dass es legal möglich ist mit deutschem Rezept in den Niederlanden einzukaufen dann bezahlt man für 5Gramm ca 37EURO!

Es ist echt eine Frechheit 100% Aufschlag ,mir fehlen wirklich die Worte

Rund 240EUR für 10 Gramm Pfanzenblüten. Ich schätze mal man bekommt für das gleiche Geld kiloweise handelsüblichen Blütentee vom Bioladen um die Ecke. Verrückte Welt.

Gut das es noch einen Schwarzmarkt gibt der sich um alle kümmert, traurig aber wahr. Das Gesundheitssystem geht hier völlig an der Lebenswirklichkeit vorbei. Weg mit der CDU, die steht uns noch im Wege !

Diese Sache ist u.a. oft Streitthema bei Facebook und da ich da gerade nicht posten darf, kommentiere ich hier mal. Ich habe mich da mal richtig schlau gemacht und herausgefunden, das man den Aufschlag von 100 % umgehen kann, a) wenn der Arzt das Rezept richtig gestaltet, und b) die Apotheke das auch macht. Viele Apotheken werden natürlich behaupten sie müssen 100% in jedem Fall aufschlagen, aber das ist nicht richtig.
Wenn der Arzt, "unverarbeitete Blüten, in Originalztustand abgeben" auf das Btm Rezept schreibt, kann der Apotheker das als Fertigarznei behandeln. Das findet man wenn man sich durch die ganzen Preisvorschriften wühlt, allerdings nicht einfach.
Eigentlich müssten nur die Sorten umgefüllt werden, die nicht in kindersicheren Behältnissen ausgegeben werden, Bedrocan Sorten in zB. Pedanios Dosen haben eine Kindersicherung.
Es gibt nach wie vor Apotheken, die das Cannabis auch noch zu günstigen Preisen abgeben und die machen sich nicht "strafbar". Ich rate jedem aber dennoch an, das eben ganz einfach für sich zu behalten und nicht groß Werbung dafür zu laufen, ist eh etwas dämlich sich die eigene Versorgung anzusägen.
Die Prüfung in Apotheken muss erfolgen, zumindest aus jeder Charge eine Dose, die Kosten dafür aber können NICHT auf den Kunden umgelegt werden, anfangs haben auch das viele Apotheker versucht um den Preis für ein Medikament mit welchem man sowieso nichts zu tun haben möchte, künstlich in die Höhe zu schrauben. Andere Apotheken jedoch verhalten und verhielten sich in dieser Beziehnung eben sozial. Man kann auch heute noch immer Cannabis für 60,00 Euro bzw 75,00 Euro die Dose wo anders (5 Gramm) bekommen.
Oder so:
Bei der Verordnung von Cannabisblüten als Rezeptur,(Der Arzt KANN es also anders verordnen) müssen die Cannabisblüten zuvor in der Apotheke gemahlen, gesiebt und abgepackt werden. Sie gelten dann als Rezepturarzneimittel und müssen entsprechend § 5 AmPreisV abgerechnet werden.
Verordnet der Arzt diese aber so wie o.g. werden die Cannabisblüten als Fertigarznei abgerechnet und das ist auch legitim so, hatte mal dazu einen Gesetzestext gefunden aber den leider nicht markiert...Finde ihn nicht mehr. Darin wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, das Cannabisblüten die unverändert abgegeben werden, als Fertigarzneimittel gelten bzw abgerechnet werden DÜRFEN!.
Ich glaube auch nicht, dass sich die Krankenkassen beschweren, wenn die Apotheken dies so günstig wie für sie möglich abgeben, denn die müssen es bei denen die eine Genehmigung haben zahlen. Menschen mit Privatrezepten, sollten sich einfach über den günstigen Preis freuen, wenn sie dich richtige Apo gefunden haben, da muss man eben manchmal etwas suchen und dann eben schweigen.

Bisher hat bei Mir in der Apotheke noch nie jemand für mich etwas umgefüllt, abgefüllt, abgepackt oder gekennzeichnet.

Ich bekomme meine original verschweißte Dose und das wars! "Wie ist also der Aufschlag mit "Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) § 4 Apothekenzuschläge für Stoffe" zu rechtfertigen?

"(1) Bei der Abgabe eines Stoffes, der in Apotheken in unverändertem Zustand umgefüllt, abgefüllt, abgepackt oder gekennzeichnet wird, sind ein Festzuschlag von 100 Prozent (Spanne 50 Prozent) auf die Apothekeneinkaufspreise ohne Umsatzsteuer für Stoff und erforderliche Verpackung sowie die Umsatzsteuer zu erheben.
(2) Auszugehen ist von dem Apothekeneinkaufspreis der abzugebenden Menge des Stoffes, wobei der Einkaufspreis der üblichen Abpackung maßgebend ist.
(3) Trifft die für die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Interessen gebildete maßgebliche Spitzenorganisation der Apotheker mit dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen Vereinbarungen über Apothekeneinkaufspreise, die der Berechnung zugrunde gelegt werden sollen, so ist der Festzuschlag für die durch diese Vereinbarungen erfaßten Abgaben abweichend von den Absätzen 1 und 2 auf diese Preise zu erheben. Das Gleiche gilt, wenn Sozialleistungsträger, private Krankenversicherungen oder deren Verbände mit Apotheken oder deren Verbänden entsprechende Vereinbarungen treffen; liegt eine solche Vereinbarung nicht vor, kann auf die nach Satz 1 vereinbarten Preise abgestellt werden."

https://www.gesetze-im-internet.de/ampreisv/__4.html

Kann mir jemand sagen, warum die Apotheken 10€ pro Gramm bezahlen müssen?
Ich meine, das ist doch schon 100% zu viel!

Wenn ich meine 10g für den Monat kaufe, dann bezahle ich als Stammkunde beim örtlichen Dealer 9€ für Standardgras und da macht die ganze Schmuggelkette dennoch Gewinn!

Wenn also die Apotheken mit 5€ kalkulieren würden (den der örtliche Dealer auch bezahlt), dann würden für die 10g nur überschlagene 130€ heraus kommen. Das ist zwar immer noch typisch Apotheke, aber bezahlbar!

Aber warum schreiben wir überhaupt hierzu?
Meine Tante war im Urlaub in Griechenland und hatte ihre Schilddrüsenmedikamente vergessen. Also dort in die Apotheke und für 1,30€ die gleiche Packung von der gleichen Firma bekommen, wie bei uns, nur daß sie hier 5€ Rezeptgebühr stattdessen bezahlen darf...

Wir werden einfach an allen Ecken abgezockt! Zeit zum Widerstand ;-)

Griechenland ist auch pleite - schon mal darüber nachgedacht?

Sorry, aber eine dümmere Antwort konnte ich mir zu meinem Text, dessen Inhalt irgendwie (zumindest in meinen Augen) richtig und vor allem hinterfragenswert ist, einfach nicht vorstellen!

Was genau hat der Preis eines Produktes, das eine private Firma herstellt und das ich hier und dort kaufen kann mit der Pleite eines Staates zu tun?

1 Gramm Gold kostet aktuell weltweit 34,54€.
-
1 Gramm Cannabis kostet in Deutschen Apotheken ~25€.

Wozu noch einen Kommentar, wenn eh´ jeder weiß, daß es organisierte Abzocke von Krankenkassen und Patienten ist, welche den Goldesel spielen sollen. Eine Form der organisierten Kriminalität. Ich hatte zuletzt für die teuerste Cannabis-Arznei (~3g Blüten für ~300€) keinen Bericht meiner Ärztin bekommen, weil die behauptet, meine Krankenkasse würde die Kosten eh´ nicht übernehmen. Aber einen Bericht wollte die meinem Hausarzt zukommen lassen. Vor 5 Monaten... werde ich nun einen Anwalt einschalten, nachdem weder ich, Hausarzt noch Ärztekammer halfen. Für mich ist die gesamte Medical-Marijuana-Branche gestorben. Es geht nur nebensächlich um die Pflanze, die Eigenschaften wie Nutzen oder die Patienten - es geht fast ausschließlich um den großen Reibach und wie dieser generiert werden kann.

Cannabis-Patient schrieb:
... Ich hatte zuletzt für die teuerste Cannabis-Arznei (~3g Blüten für ~300€) keinen Bericht meiner Ärztin bekommen, weil die behauptet, meine Krankenkasse würde die Kosten eh´ nicht übernehmen ...

Hui, na hallo, sag mir doch mal bitte wo du für 1g 'Blüte' 100€ bezahlen musst?! Das ist ja nicht mehr haltbar... :-O :-O

Ja - das kann ich auch nicht (insb. finanziell) halten... ist aber so:

Die Arznei heißt Tilray THC10:CBD10 ( https://www.tilray.ca/en/products/medical-cannabis/tilray-tc200-drops.html ) und wird in der BRD für ~300€ vertrieben. Die 25ml Inhalt enthalten 0.5g Wirkstoff (d.h. 250mg THC + 250mg CBD). Das dürfte bei Strains/Saatgut mit etwas unter 10% THC+CBD-Anteil rund 3g Blüten entsprechen; oder seperate THC-CBD-Strains mit jeweils ~20% THC bzw. CBD-Anteil. In dem Link steht auch der Endverbraucherpreis in Kanada: 86CAD$ = ~57€. Das war auch schon vor der totalen Cannabis-Legalisierung in Kanada so und selbst dort (Kanada ist ein Hochlohnland mit hohen Preisen) wird dieses Präparat als stark überteuert angesehen. Allein ~170€ MÜSSEN vom Apotheker draufgeschlagen werden, weil es sich um ein sogenanntes Rezepturarzneimittel handeln würde und diese horrenden Summen gesetzlich vorgeschrieben sind. Die gesamten Zusatzkosten betragen in der BRD ~240€ (400%+ Aufschlag!!!) und werden in meinen Augen ohne nennenswerte Gegenleistung (außer, daß die Rohsubstanz mit Öl angemischt wird) abkassiert und sind ein Zeichen für schwerste organisierte (Staats-) Kriminalität. Selbst mein Hausarzt nennt schon weitaus preiswertere Cannabisarznei Abzocke/Betrug.

Ich selbst bin selbstständiger Apotheker und über diese Situation höchst unglücklich. Es kann nicht sein, dass der Preis von Cannabis in der Apotheke doppelte hoch ist wie auf dem Schwarzmarkt. Aber hier haben sich unsere lieben Politiker mal wieder keine Gedanken gemacht. Statt Cannabis als Rezepturazneimittel zu deklarieren, hätte dies als Fertigarzneimittel mit einem fixen und fairem Preis in den Markt kommen sollen. Ich selbst gehe auch nicht das Risiko ein Cannabis günstiger abzugeben - leider, oder zum Glück, halte ich mich als Bürger an die Gesetzte. Aber den Ärger der Patienten kann ich sehr gut nachvollziehen.

Die Politiker haben sich m.E. sehr wohl Gedanken gemacht und nur ein weiteres mal gegen Vernunft und Bürger gehandelt.

Auf dem Schwarzmarkt in der BRD ist Cannabis momentan ab 6€ (bzw. 4-5€ in größeren Mengen) zu erwerben - d.h. Apotheken haben ein bis zu 6fach höheren Preis! In Niederlande und Spanien kann man legal (in Coffeeshops oder Socialclubs) Cannabis ab ~4€ erwerben. Haschisch aus Marokko wird ab 2€ gehandelt. In Albanien (größer illegaler Cannabis-Schwarzmarkt Europas) wird 1KG ab 500€ gehandelt und die überlegen als Medizin zu (re-) legalisieren.

Es ist kein Ding der Unmöglichkeit medizinisches Cannabis in (bitterarmen) Ländern wie Albanien kultivieren zu lassen, damit finanzielle Entwicklungshilfe zu betreiben, Versorgungslücken zu beseitigen, Patienten einen bezahlbaren Preis zu ermöglichen und Apothekern genügend Umsatz zu bescheren.

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