Hochrechnung: Zehntausende Menschen erhalten medizinisches Cannabis

  • Veröffentlicht am: 11. Januar 2018 - 15:03
  • Von: Florian Rister

Die Gesamtzahl der Cannabispatienten in Deutschland steigt rasant! Zum Jahreswechsel wurden neue Zahlen zu den bisherigen Anträgen auf Kostenübernahme bei verschiedenen Krankenkassen bekannt. Etwa 0,2 Promille der Versicherten bei AOK, TK und Barmer haben demnach bisher eine Kostenübernahme erhalten, ca. 0,1 Promille haben erfolglos einen Antrag gestellt. Rechnet man diesen Wert hoch auf die Gesamtzahl der Versicherten, so kommt man auf mehr als 13.000 Menschen, die aktuell Cannabis auf Kosten der Krankenkasse erhalten. Etwa 7.000 weitere haben demnach Anträge auf Kostenübernahme gestellt, die abgelehnt wurden. Die Zahl der ausgestellten Privatrezepte lässt sich nicht ermitteln, dürfte sich aber in einem ähnlich hohen Bereich bewegen.

Laut den Antworten auf eine Anfrage der "Rheinischen Post" haben die drei größten Krankenkassen AOK, TK und Barmer alleine schon über 8.000 Anträge auf Kostenübernahme für Medizinalhanf genehmigt. Das entspricht knapp zwei Drittel der bei diesen Kassen gestellten Anträge. Damit ist nicht nur die Gesamtzahl der Genehmigungen gestiegen, sondern auch die Quote der Bewilligungen. Im Juni 2017 lag die Genehmigungsquote mit etwa 50% noch deutlich niedriger. Die Kassen scheinen also den Druck von Politik und Gerichten wahrgenommen und ihr Verhalten angepasst zu haben. Dennoch erreichen den DHV bis heute viele Berichte von Patienten, die trotz schwerster Krankheiten keine Kostenübernahme erhalten und den Klageweg beschreiten müssen.

Rechnet man die neuen Zahlen hoch auf die Gesamtzahl der ca. 72 Millionen gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland, so ist aktuell von über 13.000 Cannabispatienten mit Kostenübernahme in Deutschland auszugehen. Damit liegt diese Zahl noch über der Zahl, die der DHV bei Inkrafttreten des neuen Gesetzes für Ende 2017 geschätzt hatte. Eine bemerkenswerte Entwicklung, die zeigt, wie groß das medizinische Potential der Cannabispflanze sowie der Bedarf in Deutschland ist und wie falsch die Bundesregierung mit ihrer Ausschreibung für gerade einmal zwei Tonnen medizinisches Cannabis pro Jahr lag. Deutlich größere Mengen werden in den nächsten Jahren benötigt, um die Versorgungssicherheit mit medizinischem Cannabis in Deutschland langfristig zu gewährleisten! Wenn die Regierung hier keine Anpassungen vornimmt, werden deutsche Patienten noch über viele Jahre hinweg auf Importe aus dem Ausland angewiesen sein.

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Kommentare

Hallo,ich versuche seit Sept.17 von der Barmer endlich eine Cannabis Therapie zu bekommen auch habe ich einen Verständnisvollen Arzt an meiner Seite der das ganze unterstützt. Aber im Dez.17 hatt die Barmer und der MDK das ganze abgelehnt. Mein Rechtsanwalt den ich über Prozesskostenhilfe an meiner Seite verstehtdas ganze auch nicht so ganz. Hinzu kommt noch, dass mein alter Psychologe auf anfoderung des MDK noch nicht einmal reagiert hat. Ich finde hier wird sich ganz eindeutig über die Behandlungshoheit meines behandelden Hausarztes hinweggesetzt. Wie kann die psychische Gesundheit so gewährleistet sein? Ich weiss auch echt nicht mehr was ich noch tuen soll, weil meine Gelder auch sehr knapp sind.
L.G. Bernd

Krankenkasse wechseln !!!

Welche bewilligt denn am meisten? Bzw bei welcher Kasse gibt es wenige Komplikationen?
Ich bin bei der R+V BKK und es wurde auch abgelehnt. Widerspruch ebenfalls und bin nun am klagen ohne Rechtsanwalt mit selbstgeschriebener Klageschrift.
Mal schaun obs was wird...
Ich habe leider auch nur sehr beschränkte Mittel und kann mir von meiner Medizin gerade einmal ein fünftel leisten. Wie soll man so Schmerzfrei und belastbar sein???

Hallo Julian,

welche Krankenkasse die höchste Bewilligungsquote hat, können wir leider momentan noch nicht richtig einschätzen. Es scheint aber auf jeden Fall gewisse Unterschiede zu geben, auch von Region zu Region. Sobald wir dazu eine valide Einschätzung haben, werden wir sie natürlich öffentlich machen.

Florian Rister
Deutscher Hanfverband

Wenn man sich nicht gerade im Endstadium einer schweren Krankheit befindet, ist es schon fast unmöglich einen Arzt zu finden, der einem Cannabis verschreibt. Zumindest ist das meine Erfahrung. Es wird in Berlin eine Freigabe/Legalisierung diskutiert aber statt mir medizinisches Cannabis zugänglich zu machen verschreibt man lieber Opioide. Ich wäre sogar bereit die Kosten selbst zu tragen aber die Ärzte wollen sich ja nicht "die Hände schmutzig machen". Es ist zum verzweifeln.

Hallo Erwin,

ein paar Ärzte gibt es schon. Schick uns diesbezüglich am Besten mal eine E-Mail, vielleicht können wir dich weiterleiten.

13´000 Patienten die sich 100g im Monat abholen können. Das wären demnach 15,6 TONNEN (!!!) Cannabisblüten die 2017 nach Deutschland eingeführt wurden. Wo kam das denn alles her? Und wohin fließt das ganze Geld?

Hallo Knut,

viele Patienten haben weitaus geringere Dosierungen als 100g / Monat, von daher ist auch die gesamte importierte Menge geringer.

Das meiste Cannabis kam sicher aus Kanada und dort fließt auch das meiste Geld hin.

Danke für die Antwort. Weiß jemand wann die auf der Seite angekündigten Pilotprojekte für den Hanfanbau in Deutschland starten sollen (z.Bsp. in Mecklenburg-Vorpommern) & welche Firmen sich dafür bewerben; bzw. wie die bürokratischen Hürden diesmal aussehen? (Ich erinnere mich noch dunkel an den Indooranbau in einem bayerischen Bunker; aufgrund der hohen Sicherheitsbestimmungen.)

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