Homegrower entkriminalisieren - Schwarzmarkt schwächen
Fordert die Justizministerin auf, den Anbau von Cannabis zum Eigenkonsum zu entkriminalisieren - wer seine Gesundheit schützt und sich dem illegalen Markt verweigert, darf nicht bestraft werden.
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| Homegrower entkriminalisieren - Schwarzmarkt schwächen | Gestartet 20.02.2008 |
Teilnehmer 1326 |
Worum ging es?
Seit geraumer Zeit geraten "Homegrower" immer häufiger in das Visier der Polizei. Die großflächig angelegte Razzia bei mehr als 200 Beschuldigten Ende Januar 2008 ist nur der bisherige Höhepunkt der stetig steigenden Repression gegenüber Menschen, die Hanfpflanzen für den eigenen Konsum anbauen. Dabei sollte der Staat - gerade wenn er bei seiner Prohibitionspolitik bleibt - diese Grower schützen.
Eigenanbauer umgehen mit ihrem selbst produzierten Gras die hohen gesundheitlichen Risiken von gestrecktem Marihuana.
Außerdem entziehen sie, da sie kein Cannabis beim "Dealer" kaufen, dem Schwarzmarkt und vor allem den laut Politik und Polizei eigentlich verfolgten und "bösen" Großplantagenbesitzern und illegalen Verkaufsringen das Geld.
Beim bloßen Besitz von Cannabis für den Eigenkonsum existiert dank des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) längst eine so genannte "Geringe Menge", die nicht weiter straffrechtlich verfolgt wird. Doch die gängige Praxis der "geringen Menge" greift beim Eigenanbau nicht - schon wenige Blüten übersteigen diese Grenze.
Wer Cannabis für den Eigenbedarf anbaut, will sich mit einer Ernte autark machen. Er will weder nach wenigen Wochen wieder beim Dealer Gras kaufen noch ständig Anbau betreiben müssen. Eine Ernte soll den Bedarf möglichst lange decken - und der liegt, selbst bei gelegentlichem Konsum, in der Regel über der geringen Menge und wird somit in Deutschland hart bestraft.
Doch genau dies ist falsch! Denn wer Konsumenten schützen und gegen die großen Hintermänner des illegalen Marktes vorgehen will, muss den Anbau einiger Cannabispflanzen zum Eigenkonsum entkriminalisieren.
Eigenanbau schützt die Gesundheit. Nur wer selbst anbaut, kann in einem illegalen Markt die Qualität der Pflanze kontrollieren. Zum einen gegen gefährliche Streckmittel - die, wie das bleivergiftete Gras im Umkreis von Leipzig zeigte, immer häufiger vorkommen. Zum anderen auch gegen die schwankende Potenz des Marihuanas. Eigenanbauer wissen genau, was und wie viel in ihrem Gras drin ist, und können so ihren Konsum steuern. Nur wer weiß, was er konsumiert, kann auch vernünftig handeln.
Mit der Verfolgung des Anbaus von Cannabis für den Eigenkonsum werden diese unabhängigen Konsumenten wieder unnötigen gesundheitlichen Risiken ausgeliefert. Die wenigsten werden aufhören zu kiffen. Die meisten sind stattdessen gezwungen, ihr Gras wieder auf dem illegalen Markt zu kaufen. Dass Polizei-Aktionen wie die Ende Januar unabhängig ihres eigentlichen Ziels besonders Kleingrower treffen, beweist deren Ergebnis: Unter den 235 durchsuchten Wohn- und Geschäftsräumen waren nur zwei "Profiplantagen" und neun "Großplantagen" (100 bis 1.000 Pflanzen) - 66 Durchsuchungen betrafen Kleinanbauer und bei 158 verblieb der Polizeieinsatz gänzlich ohne Ergebnis.
Bei fast 95 Prozent der Durchsuchungsopfer handelte es sich also um kleine oder keine Fische.
Unterstützt den Kampf des DHV für die Entkriminalisierung des Eigenanbaus! Fordert mit einer Protestmail an die Bundesjustizministerin Brigitte Zypries den Anbau von Cannabis zum Eigenverbrauch nicht mehr zu bestrafen!
- Stellungnahme des DHV zu den Razzien Ende Januar
- Informationen des DHV über Blei im Gras und andere Streckmittel und deren Auswirkung
Unser Vorschlag für die Protestmail
Sehr geehrte Frau Ministerin Zypries,in Deutschland geraten immer mehr Menschen ins Visier der Polizei, die einige Hanfpflanzen für den eigenen Bedarf anbauen. Diese müssen mit hohen Strafen rechnen. Die übliche Praxis der so genannten "geringen Menge" zum Eigenverbrauch, bei der von einer Strafverfolgung abgesehen wird, hilft ihnen nicht, da schon wenige Blüten diese Grenze überschreiten.
Doch der Anbau einiger Pflanzen zum Eigenkonsum hat viele positive Auswirkungen - gerade in einem Staat, der den Besitz und Handel mit Cannabis verbietet. Wer selbst einige wenige Pflanzen anbaut, entzieht dem illegalen Markt Geld, da er nicht mehr auf ihn angewiesen ist, und er kann die Qualität seines Produktes kontrollieren und so gesundheitliche Risiken minimieren.
Ich wende mich heute an Sie, um Sie für diese Problematik zu sensibilisieren und Ihnen den Vorschlag der Entkriminalisierung des Anbaus einiger Hanfpflanzen zum Eigenkonsum näher zu bringen!
Ich will Sie hier nicht von der Legalisierung überzeugen - ich will, dass Personen, die ihre Gesundheit schützen und dem illegalen Markt Umsatz entziehen wollen, nicht länger besonders hart bestraft werden. Und das werden sie, da jemand, der Cannabis anbaut, sich mit einer Ernte für längere Zeit autark machen will - und somit schnell die üblichen Grenzen "normaler Wochenrationen", die ein Gericht so kennt, überschreitet.
Dabei sollten Sie es doch sogar gut finden, wenn jemand nicht mehr beim Dealer einkauft, sondern sich selbst versorgt. Denn er schützt seine Gesundheit. In letzter Zeit tauchte immer mehr gestrecktes und vergiftetes Gras auf. Der Fall von bleivergiftetem Gras im Umkreis von Leipzig ist nur die Spitze des Eisberges. Schon seit längerer Zeit nimmt das mit Streckmitteln und so auch mit Gift verseuchte Gras auf dem Schwarzmarkt zu. Wenn sich Konsumenten nicht durch Qualitätskontrollen schützen können, sollten sie es wenigstens durch Eigenverantwortung tun dürfen.
Des Weiteren entzieht der Anbau zum Eigenkonsum dem illegalen Großmarkt Geld. Wer selbst anbaut, ist nicht auf den Dealer und dessen Großproduktionen angewiesen. Er produziert für sich und finanziert so nicht länger illegale Strukturen durch seinen Konsum. Gerade wenn Cannabiskonsumenten nicht mehr die Endkonsumenten des internationalen Drogengeschäftes sind, wird diesem am meisten geschadet. Wer die Hintermänner bekämpfen will, muss ihnen deren Geschäftsgrundlage entziehen - und dies geschieht am effektivsten durch das Fernbleiben ihrer Kundschaft.
Die aktuellen polizeilichen Maßnahmen betreiben genau das Gegenteil. Sie sind gegen die "kleinen Fische" gerichtet und treiben diese somit in die Hände der Großen. Offiziell will die Politik die Endkonsumenten schützen, doch die Realität ist eine andere: Unter den 235 Wohnungs- und Geschäftsdurchsuchungen am 28.01.2008 waren nur zwei Profiplantagen und neun Großplantagen (100 bis 1.000 Pflanzen). Der Großteil der Beschuldigten (knapp 95 Prozent) waren "kleine Fische" bzw. Personen, die vielleicht irgendwann einmal etwas in einem Growshop bezogen haben. Um genau zu sein, die Polizei entdeckte 66 Kleinstplantagen (weniger als 100 Pflanzen) und der Rest, 158 Fälle von 235, blieb ohne Ergebnis - wie auf der Seite der Polizei des Landes Nordrhein-Westfalens nachzulesen ist.
Der derzeitige Umgang mit sogenannten Homegrowern hilft den "großen Fischen" und schadet Personen, die ihre Gesundheit schützen wollen, keine Dritten gefährden und dem illegalen Markt Geld entziehen. Ich fordere Sie daher auf, sich für die Entkriminalisierung des Anbaus einiger Hanfpflanzen zum Eigenkonsum einzusetzen. Dass dies auch in Europa möglich ist, zeigt Belgien, das diesen Weg längst beschritten hat.
Bis zu einer Stellungnahme Ihrerseits verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen

