Ich will spenden!Zum DHV Webshop

Protestmailer 9 - Inhalt und Feedback PDF Drucken E-Mail

Stoppt die Cannabishysterie in den Medien!


Am 28.11.06 sendete das ZDF- Politmagazin Frontal 21 einen Bericht über Cannabis, der extrem hysterische Züge aufwies und unglaubliche Falschbehauptungen aufstellte. Der DHV reagiert auf diesen besonders schlechten Bericht eines öffentlich- rechtlichen Senders mit einem Protestmailer.

Wir danken den 606 Teilnehmern für ihren Einsatz ! Diese Aktion ist beendet, aktuell laufende Aktionen finden sie hier. Das Feedback auf diese Aktion findest du am Ende der Seite.

Worum ging es?

Bild der Protestaktion 'Stoppt die Cannabishysterie in den Medien!' Am 28.11.06 sendete das ZDF-Politmagazin Frontal 21 einen Bericht über Cannabis, der mal wieder extrem hysterische Züge aufwies und unglaubliche Falschbehauptungen aufstellte.
Da solche Panikmache in den Medien zu einer verzerrten Sicht auf Cannabis beiträgt, reagiert der DHV auf diesen besonders schlechten Bericht eines öffentlich-rechtlichen Senders mit einem Protestmailer.

Unter anderem wird in dem Bericht behauptet, THC sei krebsfördernd und verursache Hirnkrankheiten. Auch das Märchen vom stark gestiegenen THC-Gehalt wird wieder aufgewärmt.

Mehr zum Thema:

Unser Vorschlag für die Protestmail

Sehr geehrte Frontal21-Redaktion! Werte Herren Dr. Claus Richter, Theo Koll und Rainer Fromm!

In Ihrem Bericht zu Cannabis vom 28.11.06 stellen Sie das Phänomen Cannabiskonsum haarsträubend einseitig dar.

Sie befragen "Experten" wie Herrn Prof. Thomasius, die nicht das gesamte Phänomen Cannabis beurteilen können, sondern in ihrer Praxis mit den relativ wenigen Extremfällen zu tun bekommen, während über 90 Prozent der Cannabiskonsumenten keine Probleme damit haben. Doch selbst diese dramatisierende Auswahl der Interviewpartner reicht ihnen nicht, sie müssen noch draufsatteln und unglaubliche Behauptungen aufstellen, die wissenschaftlich schon ewig widerlegt sind. So behaupten sie, THC sei krebsfördernd und verursache Hirnkrankheiten.
Wie kommen Sie bloß zu solchen Aussagen?

Selbstverständlich gibt es auch problematischen Cannabiskonsum und es ist bedenklich, wenn besonders junge Menschen in den Konsum einsteigen und ihn massiv betreiben. Ähnlich bedenkliche Entwicklungen gibt es ja auch bei Alkohol.

Das rechtfertigt aber nicht, Cannabis in so dramatischer Weise als extrem gefährliches Rauschmittel darzustellen. Das entspricht nicht den Tatsachen. Auch der angeblich angestiegene THC-Gehalt ist da kein Argument. Die Behauptung der angestiegenen Wirkstoffgehalte ist nicht belegbar. Auch im Jahresbericht der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle, auf den Sie sich berufen, steht dazu nichts. Dort ist nur von hohen Werten in den Niederlanden die Rede. In früheren Berichten hat die Behörde ebenso wie das BKA in den letzten Jahren keine nennenswerten Steigerungen feststellen können. Da müssen Sie schon zu solchen Mitteln greifen, den durchschnittlichen THC-Gehalt von vor einigen Jahren mit den Spitzenwerten in heutigen Proben zu vergleichen. Das ist unseriös.

Und selbst wenn die THC-Werte steigen würden, wäre das nicht gleichzusetzen mit einer höheren Gefährdung. Das kann man auch positiv interpretieren, weil der Konsument von Cannabisprodukten höherer Qualität weniger rauchen muss für die gewünschte Wirkung. Patienten, die Cannabis als Medikament verwenden, bekommen schließlich auch 100 Prozent reines THC, ohne dass sie dadurch in der Psychiatrie enden.

Ich fordere Sie auf, bei Ihrer nächsten Sendung über Cannabis gründlicher zu recherchieren und keine sensationsorientierten Unwahrheiten zu verbreiten bzw. das Thema nicht völlig verzerrt darzustellen!

Über Ihre Stellungnahme würde ich mich freuen!

Mit freundlichen Grüßen

 


Ein Ziel des DHV- Protestmailers ist es, Reaktionen der von Ihnen angeschriebenen Personen und Behörden zu erhalten. Das erhaltene Feedback dokumentieren wir auf dieser Seite. Auch Reaktionen von Teilnehmern auf die Antworten der Behörden werden dokumentiert.
Oft wird angesichts des eingegangenen Feedbacks der angebotene Protesttext von uns so angepasst, dass die Behörden nicht einfach Standartantworten verschicken können. Nebenbei bleibt die Protestaktion so stets aktuell und die Teilnahme lohnt sich bis zum Schluss!

Es gibt 15 Antworten auf diesen Protestmailer.


Automatische Antwort des ZDF

Antwort Nr.1 vom 02.12.06 / 30.11.06

Absender:
frontal21@zdf.de
Text der Antwort:
Sehr geehrte Zuschauer(-innen),

herzlichen Dank für Ihr Schreiben.

Ihre Mail wird an den zuständigen Fachautor bzw. den Moderator weitergeleitet und dort aufmerksam gelesen. Wann immer möglich, werden Schreiben detailliert beantwortet oder fließen in unsere weitere Berichterstattung ein.

Auch bei konkreten Fragen nach Adressen, Telefonnummern oder sonstigen Kontaktmöglichkeiten helfen wir Ihnen nach Möglichkeit gerne weiter; bitte sehen Sie es uns nach, wenn die Beantwortung nicht sofort erfolgt. Gegebenenfalls leiten wir Ihre Zuschrift auch an andere ZDF-Redaktionen oder die betreffenden Landesstudios weiter.

Bitte haben Sie aber Verständnis dafür, dass wir bei der Vielzahl an Zuschriften nicht alle individuell beantworten können. Beachten Sie bitte außerdem, dass wir als bundesweit sendendes Fernsehmagazin mit Schwerpunkt Innenpolitik in unseren Beiträgen nur ausnahmsweise einmal Einzelfällen, seien sie noch so schwerwiegend, nachgehen können.

Juristische Beratung sowie Hilfe in Steuer- und Rentenfragen untersagt uns übrigens der Gesetzgeber. In vielen Fällen wird Ihnen aber die nächst gelegene Verbraucherzentrale weiterhelfen können.

Frontal21 wird unregelmäßig in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch nach der Live-Ausstrahlung wiederholt, einzelne Beiträge sind auch im ZDFdokukanal zu sehen.

Die Sende-Manuskripte finden Sie als PDF-Dateien auf unseren Seiten.

Wenn Sie eine Sendung oder einen bestimmten Beitrag verpasst haben: Das ZDF fertigt auf Anfrage kostenpflichtige Mitschnitte auf VHS und DVD-R für die rein private Nutzung an. Nähere Informationen erhalten Sie beim ZDF Programmservice, 55100 Mainz, unter der Telefonnummer 06131/70-9510 oder per E-Mail an programmservice@zdf.de - Die Videos auf den Seiten unseres Internet-Angebots sind unter anderem aus rechtlichen Gründen nicht downloadbar; entsprechenden Dateien können wir Ihnen darum nicht zuschicken.

Häufig werden wir nach der Toll!-DVD gefragt. Die erste Auflage ist leider ausverkauft, eine Neuauflage ist derzeit (noch) nicht geplant.

Hoffentlich konnten wir Ihnen mit diesen Informationen weiterhelfen.
Bleiben Sie uns gewogen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Frontal21-Redaktion

↑↑ Zurück zur Übersicht ↑↑

 


Der Redakteur des Beitrags bezieht Stellung

Antwort Nr.2 vom 06.12.2006

Absender:
Dr. Rainer Fromm
Text der Antwort:
Sehr geehrte Herren,

da sie mir alle wortgenau den selben Brief geschrieben haben, erlaube ich mir, Ihnen gemeinsam zu antworten. Vielen Dank vorab für Ihre konstruktive Kritik an meinem Frontal 21-Beitrag. Ich kann Ihnen versichern, dass sämtliche im Film dokumentierten Recherche-Ergebnisse durch aktuelle wissenschaftliche Studien belegt.Cannabis ist mit den hohen THC Werten und den immer jüngeren Konsumenten ist ein ernstes Problem geworden. Über die große gesellschaftliche Verbreitung hat jüngst der EU-Drogenbericht Auskunft gegeben, auch über die stetig wachsende Zahl immer jüngerer Konsumenten.

Nach neuen Untersuchungen ist der prozentuale Anteil von Jugendlichen die vom Hasch-Konsum berichten von 1980: 14,6 %; 1995: 24,9 %; 2003: 43,6 % gestiegen.

Die Anzahl der bundesweit dokumentierten Cannabis-Fälle bei Patienten ambulanter Suchtbehandlung kletterte von 2003: 10.169 auf 13.422 im Jahr 2004.

Über 60 % der Insassen in den von mir befragten Suchtkliniken sind heute Hasch-Patienten. Bei vielen herrscht eine starke Abhängigkeit von dem Rauschgift.

Ich denke schon, dass man im Anbetracht dieser Faktenlage einmal als Fernsehmagazin auf die Cannabis-Gefahren hinweisen muss, ohne zu dramatisieren! Meine Hintergrundinterviews mit jungen SÜchtigen habe allesamt bestätigt, dass sie keinerlei Informationen über die Gefährlichkeit der Droge Cannabis besaßen. Im Gegenteil: Nicht selten haben Bekannten, Verwandten- und Freundeskreis das Rauschgift bagatellisiert. Die Leier der "weichen Droge" etc ...

Viele Grüße
Dr. Rainer Fromm

↑↑ Zurück zur Übersicht ↑↑

 


Protestmail mit Berücksichtigung der Reaktion von Dr. Fromm

Antwort Nr.3 vom 08.12.06

Absender:
Protestmail von Stefan Karst
Text der Antwort:
Sehr geehrte Frontal21-Redaktion! Werte Herren Dr. Claus Richter, Theo Koll und Rainer Fromm!

Mit Erstaunen habe ich mir Ihren Bericht über die Gefahren von Cannabis angeschaut. Meine bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, das Fontal21 ein seriöses und gut recherchiertes Magazin ist. Bei diesem Beitrag allerdings konnte ich nicht so ganz glauben, was dort erzählt wurde!
Ich stimme Ihnen zu, das Cannabiskonsum gefahren beinhaltet. Gerade bei jungen Jugendlichen kann dies sehr Gefährlich sein! Aber das auch allgemein auf erwachsene Konsumenten zu übertragen, ist nicht richtig!

Es wurde erwähnt, das der THC-Gehalt gestiegen sei... andere Studien belegen, das die Spitzenwerte zugelegt haben, das es wirklich viel potenteres Gras gibt als früher; aber das im Durchschnitt nur ein sehr leichter Anstieg zu vermerken ist!
Selbst wenn es wahr wäre, das der THC-Gehalt gestiegen ist: ist es deshalb gefährlicher??? Fur einen aufgeklärten Konsumenten bestimmt nicht. Im Gegenteil, es muss weniger geraucht werden um die gleiche Wirkung zu erzielen; es ware als etwas weniger gesundheitsschädlich und wurde den Geldbeutel schonen ;-) Voraussetzung ist allerdings, das der Konsument daruber aufgeklärt ist - Wenn Schnaps wie Bier getrunken wird, ist dies auch gefährlich! Wer aber Bescheid weiß und entsprechend weniger trinkt, lebt nicht unbedingt gefährlicher...

In Ihrer Antwortmail vom 06.12. schreiben Sie "... prozentuale Anteil von Jugendlichen die vom Hasch-Konsum berichten (...) 2003: 43,6 % gestiegen."
Wo haben Sie diese Zahlen her? Alle mir bisher bekannten Studien schreiben, das etwa 1/4 der Jugendlichen Erfahrungen mit Cannabis gemacht haben! Es ware sehr nett, wenn Sie Ihre Quelle nennen würden, ansonsten kann ich das absolut nicht glauben!

Ich schätze Frontal21 als ein seriöses Magazin; es ware wünschenswert, wenn Sie auch seriös und sachlich über Cannabis berichten würden!

Ich freue mich auf Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Karst

↑↑ Zurück zur Übersicht ↑↑

 


Antwort von Dr. Rainer Fromm auf Feedback Nr. 3

Antwort Nr.4 vom 11.12.06

Absender:
Fromm / Frontal 21
Text der Antwort:
Sehr geehrter Herr Karst,
gerne gehe ich auf Ihre erneute Mail ein. Zur Quellenlage:
1980 berichteten 14,6 Prozent der Jugendlichen, Hasch konsumiert zu haben, 1995 24,9 Prozent und 2003 43,6 Prozent.
Quelle: Kraus 2005 und Thomasius 2006

Viele Grüße
Fromm

↑↑ Zurück zur Übersicht ↑↑

 


Kommentar zu Fromms Antwort unter Nr. 4

Antwort Nr.5 vom 15.12.06

Upload von:
Georg.Wurth(et)hanfverband.de
Absender:
Georg Wurth / DHV
Text der Antwort:
s.o.
Diese Daten beziehen sich scheinbar speziell auf Hamburg. Das lassen jedenfalls die Google-Ergebnisse zu Kraus 2005 zu. Thomasius ist für uns sowieso keine seriöse Quelle.
Ich nehme aber an, dass er sich ebenfalls auf Hamburg bezieht.
Es ist normal, dass die Verbreitung von Cannabis in eine Großstadt deutlich über dem Durchschnitt liegt. Das für die Bundesrepublik zu verallgemeinern ist zumindest miserabel recherchiert.

Die Standardquelle für diese Frage ist "Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2004" der BZGA.

Die Daten sind ähnlich alt und kommen zu dem Ergebnis, dass 31 % der Jugendlichen Erfahrung mit Cannabis haben.

Einen Vergleich mehrerer Jahre gibt diese Studie aber nur für den aktuellen Konsum, nicht die Lebenszeitprävalenz. So ist das nicht direkt mit der Behauptung von Fromm vergleichbar. Aber auch beim aktuellen Konsum wird eine deutliche Steigerung dargestellt, wenn auch offen mit statistischen Fragezeichen versehen.

Sehr interessant im Zusammenhang mit der Frage, ob Jugendliche nun wirklich so viel mehr kiffen als früher ist auch folgender Vortrag:

Jens Kalke Institut für Interdisziplinäre Sucht-und Drogenforschung (ISD, Hamburg) "Cannabiskonsum bei Jugendlichen - Kritische Anmerkungen zu neueren epidemiologischen Untersuchungen"

Da bleibt dann von der Hysterie nicht mehr viel übrig.

Wir werden unsererseits auch noch eine Antwort verfassen und demnächst in diesem Feedback- Bereich hochladen.

Trotzdem rufen wir alle dazu auf, sich zu informieren und dran zu bleiben. Eine so lapidare Antwort sollten wir nicht stehen lassen!

Georg Wurth

↑↑ Zurück zur Übersicht ↑↑

 


Ausgewogene Berichterstattung / Thomasius vs. Kleiber

Antwort Nr.6 vom 20.12.2006

Absender:
individuelle Version Protestmail
Text der Antwort:
Sehr geehrte Redaktion von Frontal21!

Ich beziehe mich auf Ihren Bericht zu Cannabis vom 28.11.06.

Am 17. November diesen Jahres fand in Rudolstadt eine Fachtagung zu dem Thema "Drogenpolitik auf den Prüfstand" statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung stelle Prof. Dr. Kleiber seine langjährigen Studien zu Cannabis vor. Prof. Kleiber arbeitete u.a. auch als Gutachter für das Bundesverfassungsgericht. Seine wissenschaftlich fundierten Aussagen zu Risiken und Nebenwirkungen von Cannabisgebrauch widersprechen dabei ganz deutlich der Darstellung in Ihrem Bericht.
Sie berufen sich auf Herrn Prof. Thomasius, dessen Arbeiten im wissenschaftlichem Bereich durchaus umstritten sind.

Bei einem so wichtigen Bereich wie der Drogenpolitik erwarte ich von einem öffentlich- rechtlichen Sender zu Recht mehr Ausgewogenheit, Sachlichkeit und Impuls zur demokratischen Auseinandersetzung. Zumindest haben Sie nicht den tatsächlichen aktuellen, durchaus streitbaren Stand der wissenschaftlichen gesellschaftlichen Diskussion dargestellt. Auch in Fragen der Drogenpolitik braucht unsere Gesellschaft keine Propaganda.
Mit Ihrem Bericht haben Sie sowohl der Prävention als auch dem Ruf des Journalismus einen schlechten Dienst erwiesen.
Ich bitte Sie, im Nachtrag auch noch einmal bei Herrn Prof. Kleiber vorzusprechen und dessen renomierten wissenschaftlichen Ergebnisse wahrzunehmen.

Hochachtungsvoll
Michael Kleim
Gera

↑↑ Zurück zur Übersicht ↑↑

 


Antwort des DHV auf die Reaktion von Dr. Fromm

Antwort Nr.7 vom 21.12.06

Upload von:
Georg.Wurth(et)hanfverband.de
Absender:
Georg Wurth / DHV
Text der Antwort:
Sehr geehrter Dr. Fromm!

Als Autor der Protestmail, die Sie mehrfach zum Thema Cannabis erhalten haben, freut es mich, dass Sie vielen Versendern der mail geantwortet haben. Ich selbst habe Ihre Antwort nicht erhalten, möchte Ihnen aber dennoch gerne im Namen Vieler erneut antworten.

"Da sie mir alle wortgenau den selben Brief geschrieben haben, erlaube ich mir, Ihnen gemeinsam zu antworten. Vielen Dank vorab für Ihre konstruktive Kritik an meinem Frontal 21-Beitrag. Ich kann Ihnen versichern, dass sämtliche im Film dokumentierten Recherche-Ergebnisse durch aktuelle wissenschaftliche Studien belegt.Cannabis ist mit den hohen THC Werten und den immer jüngeren Konsumenten ist ein ernstes Problem geworden."

Die Behauptung, die THC-Werte seien in den letzten Jahren dramatisch gestiegen, habe ich in der ursprünglichen Mail schon kritisiert. Das hört man zwar häufig in den Medien, offizielle Stellen bestätigen das aber nicht. Einen erheblichen Anstieg hat es schon vor Jahrzehnten gegeben. In den letzten Jahren ist aber nach BKA und europäischer Drogenbeobachtungsstelle nicht mehr viel dazugekommen. Darauf gehen Sie nicht ein. Auf welche Quelle berufen Sie sich denn?
Im Manuskript zur Sendung heißt es dazu:
"Vor wenigen Tagen erst haben es die EU- Drogenbeobachter offiziell bestätigt: Die neuen Cannabis-Züchtungen werden immer stärker und damit gefährlicher."

Eine solche Information ist dem neuen Jahresbericht aber meines Erachtens nicht zu entnehmen. An anderer Stelle hat sich die Behörde gegenteilig geäußert. Auf welche Stelle berufen Sie sich?

"Über die große gesellschaftliche Verbreitung hat jüngst der EU-Drogenbericht Auskunft gegeben, auch über die stetig wachsende Zahl immer jüngerer Konsumenten. Nach neuen Untersuchungen ist der prozentuale Anteil von Jugendlichen die vom Hasch-Konsum berichten von 1980: 14,6 %; 1995: 24,9 %; 2003: 43,6 % gestiegen."

Einem anderen Teilnehmer am Protest zur Sendung schreiben Sie dazu als Quelle: "Kraus 2005 und Thomasius 2006"

Die Standardquelle für diese Frage ist die Studie "Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2004" der BZGA.
Die Daten sind ähnlich alt und kommen zu dem Ergebnis, dass 31% der Jugendlichen Erfahrung mit Cannabis haben.

Ich kenne die von Ihnen genannten Untersuchungen nicht konkret. Ich nehme an, dass sich diese Werte auf Hamburg beziehen. Das für Deutschland zu verallgemeinern, wäre dann allerdings journalistisch meines Erachtens äußerst fragwürdig.

Ich will hier allerdings nicht auf diesen konkreten Zahlen herumreiten, sondern nur die Art der Recherche für den Bericht kritisieren.
Dazu gehört auch, dass Thomasius - wie so häufig in letzter Zeit - als teilweise einziger "Experte" für die Recherchen herangezogen wird. Er bietet sich dafür an, weil er besonders dramatische Entwicklungen präsentiert, was den Bedürfnissen der Medien entgegen kommt. Und er kann als Psychiater einen gewissen Expertenstatus für sich beanspruchen. Allerdings erklärt das auch seine extrem einseitige Sichtweise. Er kennt nicht den Cannabiskonsum in seiner ganzen Bandbreite, sondern eben nur den kleine Teil der Konsumenten, die massive Probleme entwickeln.In der Fachwelt ist Thomasius äußerst umstritten.
Das erkennen Sie z.B. an den Zitaten von Professor Stephan Quensel, Professor Lorenz Böllinger und Dr. med. Franjo Grotenhermen, die sich in einer Pressemitteilung des Deutschen Hanf Verbandes in ungewöhnlich scharfer Weise über die Forschung von Herrn Thomasius äußern.

Um dem Phänomen des Cannabiskonsums insgesamt auf die Spur zu kommen, empfehle ich z.B. die Experten Kleiber oder Söllner zu interviewen bzw. deren Texte zu studieren. Auch in räumlicher Nähe von Thomasius finden Sie Experten, die viele Aspekte der Datenlage völlig anders einschätzen, siehe zum Beispiel:
Jens Kalke Institut für Interdisziplinäre Sucht-und Drogenforschung (ISD, Hamburg) "Cannabiskonsum bei Jugendlichen - Kritische Anmerkungen zu neueren epidemiologischen Untersuchungen"

Vor dem Hintergrund seiner Daten bleibt doch deutlich weniger von neuen Gespenst Cannabis übrig, vor allem in Bezug auf angeblich steigende Zahlen jugendlicher Konsumenten, des Einstiegsalters und der Abghängigkeit bzw. Behandlung in Suchthilfeeinrichtungen.

"Die Anzahl der bundesweit dokumentierten Cannabis-Fälle bei Patienten ambulanter Suchtbehandlung kletterte von 2003: 10.169 auf 13.422 im Jahr 2004.
Über 60% der Insassen in den von mir befragten Suchtkliniken sind heute Hasch-Patienten. Bei vielen herrscht eine starke Abhängigkeit von dem Rauschgift."

Nach unseren Informationen landen viele jugendliche Kunden in den Einrichtungen, weil sie durch die Umstände der Illegalität dorthin "geschickt" werden.

Auch hierzu möchte ich noch mal auf die Daten von Jens Kalke verweisen, auch was die "Art" der Abhängigkeit der Leute angeht. Ich will damit allerdings nicht bestreiten, dass es bei Cannabiskonsum auch zu Problemen kommen kann, insbesondere bei frühem Einstiegsalter.

"THC führt zu Hirnkrankheiten"
Worauf Sie in Ihren Antworten nicht weiter eingegangen sind, sind die Behauptungen, THC führe zu Hirnkrankheiten und THC sei krebserzeugend.
Diese Behauptungen haben mich am meisten geärgert und - ja, aus den Socken gehauen.

Vielleicht beziehen Sie sich bei "Hirnkrankheiten" auf die Psychosen, die durch Cannabis nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen bei Menschen mit einer entsprechenden Vorbelastung möglicherweise ausgelöst, nicht aber verursacht werden können.
Selbst wenn man mal so stehen ließe, dass es sich bei Psychosen um Hirnkrankheiten handelt, wäre es grob fahrlässig, so lapidar zu sagen: "THC führt zu Hirnkrankheiten". Erstens geht es hierbei nur um einen ganz kleine Teil der Konsumenten, so dass eine so pauschale Aussage irreführend wäre. Zweitens ist "führt zu" (= Ursache) ganz etwas anderes als "kann auslösen".

Dr. Nicole Krumdiek, deren Werk "die national- und internationalrechtlichen Grundlagen der Cannabisprohibition" ich Ihnen auch in Hinblick auf die aktuelle medizinische Forschung zum Cannabiskonsum ans Herz legen möchte, schreibt zu Hirnschäden:
"Ob dem dauerhaften Alkoholkonsum entsprechend, auch der chronische Gebrauch von Cannabis eine Schädigung des Gehirns nach sich ziehen kann, wurde bis heute nicht nachgewiesen. Ergebnisse einer frühen Studie, wonach die andauernde Einnahme von Cannabis zu Gehirnschwund führe, sind hinsichtlich der ausgewählten Untersuchungsprobanden nicht repräsentativ. Nachfolgende Untersuchungen konnten die Erkenntnisse darüber hinaus jedenfalls nicht bestätigen. So wurden weder Abnormalitäten im EEG (Enzephalographie) nachgewiesen, noch konnten mittels durchgeführten Computertomographien etwaige Hirnschädigungen ermittelt werden. Hingegen wurde als Folge des Cannabiskonsums je nach verabreichter Dosis ein verstärkter Blutfluss in verschiedenen Bereichen des Gehirns festgestellt, welcher aber nach Ablauf von 1 bis 2 Stunden wieder dem Ausgangswert entsprach.
Folglich gibt es derzeit keinerlei Nachweise, dass ein andauernder Cannabisgebrauch wie auch immer geartete Schäden im Gehirn hervorruft, so dass folgend davon ausgegangen wird, dass auch regelmäßiger Cannabisgebrauch nicht zu organischen Schäden im Gehirn führt."
Krumdieks ausführliche Quellenangaben kann ich Ihnen bei Interesse gerne zukommen lassen.

Dr. med. Franjo Grotenhermen nennt zum Thema Hirnschäden folgende Studien:
"Pope HG Jr, Gruber AJ, Hudson JI, Cohane G, Huestis MA, Yurgelun-Todd D. Early-onset cannabis use and cognitive deficits: what is the nature of the association? Drug Alcohol Depend 2003;69(3):303-10.
Fergusson DM, Horwood LJ, Beautrais AL. Cannabis and educational achievement. Addiction 2003;98(12):1681-92."

Er fasst zusammen:
"Danach hat Cannabis offenbar negative Auswirkungen auf die kognitive Leistungsfähigkeit von Jugendlichen. Es ist jedoch fraglich, ob dies auf einer Hirnschädigung beruht. Wer dies behauptet, kennt den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand nicht oder verhält sich unwissenschaftlich."

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen schreibt in ihrer Cannabisbroschüre dazu:
"Nach heutigem Kenntnisstand geht man davon aus, dass gravierende Hirnschäden wie sie von Alkohol bekannt sind, nicht verursacht werden."

"THC ist krebserzeugend"
Wie Sie auf die Idee kommen, THC sei krebserregend, würde mich sehr interessieren.
Zur Frage, ob der Rauch von Cannabis Krebs in den Atemwegen auslösen kann oder nicht, dazu gibt es divergierende Angaben aus unterschiedlichen Quellen. Entscheidend scheint dabei immer auch das gleichzeitige Rauchen von Tabak zu sein. Jedenfalls geht es dabei immer um die Verbrennung organischer Stoffe im Marihuana oder Haschisch, die Teer im Rauch erzeugt.
Es gibt aber entgegen ihren Behauptungen keinerlei Hinweise, dass der Wirkstoff THC selbst krebserzeugend sein könnte. Teer in den Atemwegen kann man übrigens ganz einfach durch orale Aufnahme ausschließen.

"Ich denke schon, dass man im Anbetracht dieser Faktenlage einmal als Fernsehmagazin auf die Cannabis-Gefahren hinweisen muss, ohne zu dramatisieren!"
Ich denke, meine Ausführungen machen klar, dass diese "Faktenlage" in großen Teilen eher ein merkwürdigs Sammelsurium von Halbwahrheiten und Falschmeldungen ist. Durch den Focus auf die wenigen Extremfälle und das Ausblenden der Realität der allermeisten Cannabiskonsumenten tun Sie genau das: dramatisieren!

"Meine Hintergrundinterviews mit jungen Süchtigen habe allesamt bestätigt, dass sie keinerlei Informationen über die Gefährlichkeit der Droge Cannabis besaßen. Im Gegenteil: Nicht selten haben Bekannten, Verwandten- und Freundeskreis das Rauschgift bagatellisiert. Die Leier der "weichen Droge" etc ..."
Das halte ich auch für ein Problem. Es muss auch glaubwürdig über die Gefahren von Cannabis aufgeklärt werden, die unzweifelhaft bestehen. Allerdings haben Sie mit Ihrer Sendung eher dazu beigetragen, dass Jugendliche den pauschal erhobenen Zeigefinger mit einer total überzogenen und extremen Darstellung des Cannabiskonsums eher ignorieren. Diese Darstellung deckt sich nicht mit der Lebensrealität der allermeisten jungen Cannabiskonsumenten. So etwas wird niemand ernst nehmen.
Cannabiskonsumenten sind in großer Mehrheit erwachsene Bürger aus allen sozialen Schichten, die nur in Ausnahmefällen ein Problem mit ihrem Konsum haben. Das wird Ihnen vermutlich jeder Forscher bestätigen. Wenn Sie diese Tatsache demnächst in Ihre Berichte einfließen lassen und die möglichen negativen Konsequenzen besser recherchieren, dann wird auch eine Warnung glaubwürdiger.

Mit freundlichen Grüßen
Georg Wurth
Deutscher Hanf Verband

↑↑ Zurück zur Übersicht ↑↑

 


weitere Antwort auf den Protestmailer

Antwort Nr.8 vom 06.12.06

Upload von:
Georg.Wurth(et)hanfverband.de
Absender:
Dr. Fromm - Frontal 21
Text der Antwort:
Sehr geehrter Herr xxx

vielen Dank für Ihre Kritik an meinem Frontal 21-Beitrag.
Sämtliche im Film dokumentierten Recherche-Ergebnisse lassen sich durch aktuelle wissenschaftliche Studien belegen.

Nach neuen Untersuchungen ist der prozentuale Anteil von Jugendlichen die vom Hasch-Konsum berichten von 1980: 14,6% 1995: 24,9% 2003: 43,6% gestiegen.

Die Anzahl der bundesweit dokumentierten Cannabis-Fälle bei Patienten ambulanter Suchtbehandlung kletterte von 2003: 10.169 auf 13.422 im Jahr 2004.

Über 60% der Insassen in den von mir befragten Suchtkliniken sind heute Hasch-Patienten. Bei vielen herrscht eine starke Abhängigkeit von dem Rauschgift.

Die "Lüge" Hasch führe zu Hirnerkrankungen ist leider keine Lüge. Zur Vertiefung empfehle ich Ihnen:
Prof. Dr. Rainer Thomasisus: Cannabiskonsum und - missbrauch:
Deutschlands Suchtproblem Nr. 3, MschrKrim 89. Jahrgang, Heft 2, 2006

Zu präziseren Nachfragen bezüglich psychischer Störungen empfehle ich Ihnen, direkt mit dem Interviewpartner Dr. Melchers Kontakt aufzunehmen - melchers.peter@kkh-gummersbach.de

Viele Grüße
Dr. Rainer Fromm

↑↑ Zurück zur Übersicht ↑↑

 


Antwort des "Protestierenden" auf Nr. 8

Antwort Nr.9 vom 07.12.2006

Upload von:
Georg.Wurth(et)hanfverband.de
Text der Antwort:
Sehr geehrter Herr Fromm,

Zunächst einmal Dankeschön für die Beantwortung meiner Mail. Ich habe dies zur Kenntnis genommen und kenne die "Forschungsergebnisse" teilweise bereits schon. Zu Herrn Thomasisus äußere ich mich besser nicht, denn wir wissen alle wie Herr Thomasisus "forscht" und welche Tendenzen und Vorgehensweisen er bevorzugt.

In der folgenden Mail werde ich Ihnen ebenfalls Links, Adressen zu Forschungsergebnissen präsentieren, die Ihre Aussagen widerlegen bzw. stark relativieren. Und diese Ergebnisse sind aus unabhängigen Kreisen und nicht politisch motiviert. Aber zunächst zum Inhalt. Wir sollten bitte von vorneherein die Diskussion trennen, in:

a) tatsächliche Nutzerzahlen und deren Ursachen, sowie möglichen Lösungen diese hohen Zahlen bei Jugendlichen einzuschränkenb) unabhängige medizinische Forschungsergbnisse und das Potential von Cannabis zu medizinischen Zwecken (was sie komplett ignoriert und unterschlagen haben)

zu a) Dass immer mehr Jugendliche Cannabis konsumieren ist wahr und richtig. Das habe ich nicht kritisiert. Dass Cannabiskonsum unter 18 Jahren schädlich sein kann, bestreitet niemand und steht außer Frage. Das finden auch Cannabisbefürworter. Die Kernfrage ist jedoch, wie kann und sollte man dies verhindern`? Durch die bestehende Prohibition ist nichts besser geworden, sondern wie man an den Zahlen sieht, eher schlimmer. Zu den Gefährdungen für Jugendliche kommt durch die veraltete Prohibitions- und Repressionspolitik noch die Verdrängung der jungen Konsumenten in soziale Randfelder. Das heißt, durch eine fehlende Trennung der "Märkte" kommen die Jugendlichen auch mit anderen verbotenen Substanzen in Kontakt. Gäbe es eine kontrollierte Abgabe, würde dieses Problem gelöst werden, da kein Schwarzmarkt bestehen würde und nur Erwachsene an Cannabis gelangen würden. Das Märchen der Einstiegsdroge liegt nicht an Cannabis selbst, sondern an der Kriminalisierung des Genußmittels Cannabis. Nur dadurch kommen Jugendliche in kriminelle "Kreise", die auch andere Drogen anbieten. Wenn sie schon das Argument Einstiegsdroge gebrauchen, dann fangen sie bitte bei Schokolade, Fernsehen, Zigaretten und Alkohol an. Es gibt nur eine Lösung Jugendliche vor übermäßigem Konsum in jungen Jahren zu schützen und die sind: objektive Aufklärung (und nicht so eine Hetze, wie die Medien sie teilweise betreiben - genauso blauäugig und unzureichend wie die Computerspieldiskussion) + Legalisierung.

Doch sie haben in einer einseitigen Art & Weise den Konsum von Cannabis stigmatisiert und keinerlei Trennung zwischen jungen und erwachsenen Rauchern gemacht. Es gibt ca. 4 Millionen Konsumenten, die ohne Beeinträchtigung Cannabis konsumieren und fest im Leben stehen. Beruflich wie sozial. Aber so wie sie es rüber gebracht haben, sind bei allen Konsumenten Hirnerkrankungen sowie soziale Verwahrlosung vorprogrammiert und das ist schlichtweg falsch. Ihr Bericht war eindimensional und undifferenziert, dass sich mir alle Nackenhaare gesträubt haben.

zu b) Ich unterstelle, dass sie sich nicht die Mühe gemacht haben nach gegenteiligen Forschungsergebnissen zu recherchieren, denn die Intention ihres Berichtes war von vorneherein klar und deshalb wurde nach Bestätigung gesucht, aber das ist meiner Meinung nach gefährlich. Hier poste ich ihnen einen Link, in dem sie viele aktuelle und etwas ältere Forschungsergebnisse finden und nachlesen können, die sich wenigstens die Mühe gemacht haben zu differenzieren: http://www.cannabislegal.de/studien/index.htm Es ist sehr lesenswert und man findet viele Ergebisse internationaler Studien sowie Langzeitstudien. Auch dass das Cannabis stärker wurde ist ein Irrglauben. Es gab schon immer starkes und schwächeres Marihuana. Falls man stärkeres raucht, wird auch nciht so viel benötigt, aber der Effekt ist der gleiche (Vergleich: 2 Liter Bier / 0,2 Liter Schnaps) Also liegt es ebenfalls auch nicht am "stärkeren" Cannabis, dass so viele Jugendlichen rauchen.

hier einige Auszüge zu Cannabiskonsum:

-" Im Rahmen des gelegentlichen oder regelmäßigen Freizeitkonsums, selbst wenn er die Frequenz von zweimal pro drei Tagen erreicht, entsteht durch Cannabis keine Sucht und keine Abhängigkeit und ist mit gesundheitlichen Schäden nicht zu rechnen. Dieses Fazit der Wissenschaft steht fest. Wird Cannabis exzessiv konsumiert, entstehen außer Toleranz-Erscheinungen keine Zeichen einer Sucht." (Deutsches Ärzteblatt)

-" Die psychischen Befunde, die bisher in der medizinischen und dann auch in der juristischen Cannabis-Diskussion die Hauptrolle gespielt haben, sind widerlegt oder so sehr relativiert worden, dass sie als Gesundheitsgefahren, die der Gesetzgeber respektieren müsste, nicht in Frage kommen. Löst Cannabis Psychosen aus? Neuere Studien fanden keine Hinweise für eine charakteristische Psychopathologie bei Cannabis-Konsumenten, die die Diagnose einer eigenständigen "Cannabis-Psychose" rechtfertigen würden." (ebenso)

-" Die medizinischen Argumente, die zur Aufrechterhaltung des Cannabis-Verbotes verwendet worden sind, stammen aus Befunden schwerer Pathologie. Dabei ist allerdings zu beachten, dass Schäden, die Alkohol anrichtet, schwer, häufig und anhaltend sind; Schäden, die Cannabis anrichtet, sind leicht, selten und flüchtig. Aus medizinischer Sicht wird kein Schaden angerichtet, wenn Cannabis vom Verbot befreit wird. Das Cannabis-Verbot kann durch medizinische Argumente nicht gestützt werden." (ebenso)

- Hier eine weitere interessante Studie der WHO

Ich kann diese Liste unendlich fortführen und finde Hunderte Ergebnisse, die Herrn Thomasisus widerlegen. Bitte machen sie sich die Mühe, durch einige dieser Studien zu schauen. Wie erwähnt: Ich spreche für den Cannabiskonsum unter Erwachsenen, der unbedenklich ist. Es gehören so viele Faktoren dazu und Cannabis ist bei einem Erwachsenen NICHT der Grund für psychische Probleme. Cannabis kann sie jedoch verstärken, wie es auch Alkohol oder Ähnliches tut. Dass Jugendlich es lassen sollten, ist richtig. Wird und kann durch Propaganda aber nicht geändert werden, sondern durch grundlegende Aufklärung sowie einer Abkehr von der Repressionpolitik, die kläglich gescheitert ist, wie man an ihren Zahlen sehen kann. Das Verbot von Cannabis verhindert den Jugendschutz!

Hier noch einige Bemerkungen direkt zu Ihrer Mail und den angeführten Daten.

> Nach neuen Untersuchungen ist der prozentuale Anteil von Jugendlichen die vom Hasch-Konsum berichten von 1980: 14,6 % 1995: 24,9 % 2003: 43,6 % gestiegen.

Diese Zahlen können stimmen, auch wenn sie mir deutlich zu hoch vorkommen. Aber das liegt nicht an der Gefährlichkeit der Substanz, sondern an verfehlter Drogen- und Aufklärungspolitik.

> Die Anzahl der bundesweit dokumentierten Cannabis-Fälle bei Patienten ambulanter Suchtbehandlung kletterte von 2003: 10.169 auf 13.422 im Jahr 2004.

Diese Zahlen lassen vielfältige Schlußfolgerungen zu. Wer genau ist in diesen ambulanten Suchtbehandlungen? Wer ist wirklich freiwillig dahin gegangen und auch weil er süchtig ist`? Diese Zahl belegt nur eine Steigerung, aber sagt nichts aus warum sie gestiegen ist. Wie sie vielleicht wissen, werden Jugendliche aus strafrechtlichen Gründen (nach einem Cannabisdelikt) gezwungen an solchen Therapien teilzunehmen. Der Richter stellt sie vor die Wahl: Strafe oder Therapie. Führerschein oder Therapie - unabhängig davon, ob die Menschen wirklich süchtig sind. Auch mehrfach Abhängige, die "auch" Cannabis konsumieren, werden in diese Zahlen miteinbezogen. Diese Klientel wird auch mit einberechnet und daher stellt diese Steigerung keinen Beweis für mehr Süchtige dar. Diese Zahlen beweisen nur eine mangelhafte Versuchsanordnung!

Zudem erwarte ich von wissenschaftlicher Arbeit, die sich von Bildzeitungsniveau abheben möchte, mehr als eine Quelle. Oder nennen sie das wissenschaftliches Arbeiten? Eine Quelle gefunden, die meine "Annahmen" verifiziert und das war es dann? Was ist mit all den zig anderen internationalen Forschungsergebnissen? Zählen die etwa nicht? oder warum wurden die nicht genannt? Oder bewußt verschwiegen`? Warum zeigen sie einen Dorfpolizisten, der einen Amphetamindealer "hochnimmt"? Was hat das mit Cannabis zu tun? Ist das Ihr Experte? Nur weil er auch ein paar Brocken Haschisch zu Hause hatte? Was soll dieser Zusammenhang suggerieren? Er zeigt nur das Problem, das durch Repressionspolitik entsteht. Nämlich den Schwarzmarkt und die Folgen.

> Die "Lüge" Hasch führe zu Hirnerkrankungen ist leider keine Lüge. Zur Vertiefung empfehle ich Ihnen: Prof. Dr. Rainer Thomasisus: Cannabiskonsum und - missbrauch: Deutschlands Suchtproblem Nr. 3, MschrKrim 89. Jahrgang, Heft 2, 2006

Eine Information ist nur so gut, wie die Quelle aus der sie stammt. Dr. Thomasisus ist bekannt für seine Verbindungen und Beweggründe und ist als ALLEINIGE Quelle wirklich nicht zu gebrauchen. Wer oder was ernannte Dr. Thomasisus zu einem Cannabisexperten? Dieser Artikel überzeugt mich nicht, da er auch zig-fach widerlegt werden kann, aber das verschweigen sie!

Zuletzt noch einige generelle Fragen:
- Wie stehen sie zum Thema "Medizinalhanf" und warum wurde dies nicht erwähnt?
- Warum fand keine Abgrenzung zu anderen Drogen (Alkohol, Nikotin) statt, um das Gefahrenpotential abgrenzen und einschätzen zu können?
- Warum sollten sich Erwachsene etwas verbieten lassen, dass weit weniger gefährlich ist als manche "legale" Substanzen nur weil die Politik nicht fähig ist den Jugendlichen einen richtigen Umgang beizubringen? Nach dieser Logik müsste man dann alles was schlimmer als Hanf ist verbieten!- Effektiver Jugendschutz kann nur über kontrollierte Abgabe und Märkte funktionieren - nie aber über den Schwarzmarkt! Warum wurde solche Ansätze komplett verschwiegen? (ich bin Jugendarbeiter und Dipl.-Pädagoge und weiß wovon ich rede)- Wo sind all die Hirntoten und wo sind die Krankheiten, die Cannabis angeblich auslösen soll? Jamaika und Holland müssten bereits ausgestorben sein!

Sie reden von investigativen Recherchen und fundierter journalistischer Arbeit. Was sie hier darbieten hat mit beidem sehr wenig zu tun. So leid es mir tut, das zu sagen. Ich hielt viel von ihrem Magazin, aber mit diesem Bericht und dessen Begründung, lagen sie dermaßen daneben. Aus den oben und in meiner anderen Mail genannten Gründen.

Hiermit verbleibe ich und hoffe auf eine Antwort ihrerseits und hoffe sie wenigstens ein wenig für mein Anliegen sensibilisiert zu haben.

mfg

↑↑ Zurück zur Übersicht ↑↑

 


Antwort von Dr. Fromm auf Nr. 9

Antwort Nr.10 vom 11.12.06

Upload von:
Georg.Wurth(et)hanfverband.de
Absender:
Dr. Fromm
Text der Antwort:
Sehr geehrter Herr xyz,

danke für Ihre erneute Post. Analysieren Sie alleine die Studie von Wimmer und Mahlberg, nach der sich die Fallzahlen von jungen Menschen, die wegen Cannabis-Konsum von der Bundeswehr ausgeschieden sind, alleine von 1988 bis 1992 verdoppelt haben.
Europaweit ist die Zahl der Klienten, die wegen Cannabis in Suchtkliniken/Psychiatrien kamen, prozentual zu den Gesamtpatienten von 9,4 auf 28,2 Prozent gestiegen. Und gerade Holland hat riesige Cannabis-Probleme. Nach dem Reitox-Bericht 2003 ist Cannabis die zweihäufigste Ursache bei der Erstbehandlung illegaler Drogen in Kliniken! Übrigens auch EU-weit hinter Opiaten! In Schweden, Finnland und Dänemark ist Cannabis gar auf Platz 1!

Tatsächlich gibt es Erfolge von Cannabis bei medizinischer Behandlung! Andererseits: Welcher Nicht-Krebskranke würde sich Bestrahlen lassen, welcher Nicht-Zuckerkranke Insolin nehmen? Nicht alles, was Menschen auch hilft muss für Alle zu aller Zeit gesund sein.

Ich denke die Befunde sind keine Diskriminierung, sondern eine Warnung an Elternhäuser, da Cannabis immer noch bagatelllisiert wird! Ich gebe Ihnen aber in einem Punkt recht: Die Einstiegsdrogenthese halte ich auch für hochproblematisch. Allerdings aus einem anderen Grund: Der Begriff impliziert ja, dass es eine harmlose Droge ist.

Ich werde aber Ihre genannten Quellen, die mir nicht bekannt waren reflektieren. Ich betrachte mich nicht als Dogmatiker, der andere Literatur außer acht lässt.

Viele Grüße
Dr. Rainer Fromm

↑↑ Zurück zur Übersicht ↑↑

 


weitere Antwort auf einen Protestierenden

Antwort Nr.11 vom 07.02.07 (?)

Upload von:
Georg.Wurth(et)hanfverband.de
Absender:
Dr. Fromm
Text der Antwort:
Gerne gehe ich noch einmal auf Ihr Schreiben ein.
Unzweideutig belegen die Ausführungen von Prof. Dr. Thomasius die Korrelationen zwischen Cannabis-Konsum und Krebs sowie Hirnkrankheiten.

In seinem Aufsatz: "Cannabiskonsum und missbrauch: Deutschlands Suchtproblem Nr. 3" (MschKrim 89. Jahrgang, Heft 2 / 2006) finden Sie auf S. 120 die Zusammenhänge zwischen Schizophrenie und Cannabis. So sei "das Risiko an einer Schiziphrenie zu erkranken, bei Cannabiskonsumenten um das bis zu 3- bis 6-fache gegenüber der Normalpopulation erhöht."
Auf S. 122 verweist Thomasius auf die "weiteren psychische(n) Auswirkungen (depressive Störungen, Angststörungen, Psychosen etc .) und körerliche(n) Erkrankungen (Hirnreifungs- und Hirnleistungsstörungen etc .). Im selben Aufsatz verweist Thomasius auf S. 116 das THC "bestimmte Enzyme" aktiviere, "welche für die Umwandlung verschiedener Substanzen in Karzinogene verantwortlich sind".

In dem Heft "NeuroTransmitter" 7-8-2006 verweist Thomasius noch auf "eine spezifische Form der Hirnschädigung durch Cannabiskonsum vor dem 16. Lebensjahr", die Ehrenreich und Mitarbeiter nachweisen konnten. (S. 5)
Sie erreichen Herrn Prof. Thomasius am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

↑↑ Zurück zur Übersicht ↑↑

 


ZDF hat nichts gelernt. Sendung wird im ZDF-Infokanal wiederholt

Antwort Nr.13 vom 27.04.07

Upload von:
Georg.Wurth(et)hanfverband.de
Absender:
Georg Wurth
Text der Antwort:
Vielleicht hat ja jemand Lust, auch dem ZDF-Infokanal kurz zu schreiben.

Programmhighlights des ZDFinfokanals im Mai 2007
26.04.2007 - 11:22 Uhr, ZDF

Cannabis - Eine unterschätze Droge
Cannabis wird immer gefährlicher. Experten zufolge ist der Gehalt des berauschenden Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC) in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Der Stoff, der aus dem Blütenharz der weiblichen Hanfpflanze gewonnen wird, kann auf die Konsumenten euphorisierend wirken, ist aber gleichzeitig für Nebenwirkungen verantwortlich. So ist THC krebsfördernd und verursacht Hirnkrankheiten.

Ab Samstag, 12. Mai 2007, 9.30 und 21.30 Uhr, informiert dieser Beitrag über die Risiken des Cannabis-Konsums.

↑↑ Zurück zur Übersicht ↑↑

 


ähnlicher Beitrag auf 3Sat: nano

Antwort Nr.12 vom 29.01.07

Upload von:
Georg.Wurth(et)hanfverband.de
Absender:
Georg Wurth
Text der Antwort:
Vielfach wurden wir auf einen ählichen Bericht auf 3Sat - nano aufmerksam gemacht.
Es wurde auch vorgeschlagen, dazu ebenfalls einen Protestmailer zu machen. Davon sehen wir aber ab, um den Protestmailer nicht ausufern zu lassen. Angesichts der vielen unsinnigen Medienberichte um Cannabis kann es hier nur darum gehen, exemplarisch dagegen vorzugehen. Im Übrigen ist es relativ wahrscheinlich, dass auch hinter dieser Sendung zumindest indirekt Dr. Fromm steht. Er hat seine neuen "Kenntnisse" über Cannabis auch in einem weiteren Beitrag für "Mona Lisa" verwurstet, der ebenfalls seinen Weg zu 3Sat gefunden hat.

Natürlich wollen wir aber jeden ermutigen, unabhängig vom DHV-Protestmailer gegen solche Berichte vorzugehen und entsprechende Emails zu verfassen. Hier im Feedback- Bereich gibt es ja mittlerweile auch einige Beispiele für solche individuellen Emails.

Im folgenden dokumentiere ich noch einen Schriftwechsel mit der Nano-Redaktion, den uns der Protestierende zur Verfügung gestellt hat:

Email an Steinbronn.J@zdf.de
Betreff: 3sat nano - gefährliche joints

Kommentar: Sehr geehrte Nano! Werte Frau Angela Elis, Herr Ingolf Baur und Stefan Schulze-Hausmann!
In Ihrem Bericht zu Cannabis, welcher am 29.1.2007 senden wollen, ist aus der Vorschau zu entnehmen, dass Sie das Phänomen Cannabiskonsum haarsträubend einseitig darstellen wollen.
So behaupten sie, THC verursache Hirnkrankheiten. Wie kommen Sie bloß zu solchen Aussagen?

Selbstverständlich gibt es auch problematischen Cannabiskonsum und es ist bedenklich, wenn besonders junge Menschen in den Konsum einsteigen und ihn massiv betreiben. Ähnlich bedenkliche Entwicklungen gibt es ja auch bei Alkohol.

Das rechtfertigt aber nicht, Cannabis in so dramatischer Weise als extrem gefährliches Rauschmittel darzustellen. Das entspricht nicht den Tatsachen.

Auch der angeblich angestiegene THC-Gehalt ist da kein Argument. Die Behauptung der angestiegenen Wirkstoffgehalte ist nicht belegbar. Auch im Jahresbericht der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle, auf den Sie sich berufen, steht dazu nichts. Dort ist nur von hohen Werten in den Niederlanden die Rede. In früheren Berichten hat die Behörde ebenso wie das BKA in den letzten Jahren keine nennenswerten Steigerungen feststellen können. Da müssen Sie schon zu solchen Mitteln greifen, den durchschnittlichen THC-Gehalt von vor einigen Jahren mit den Spitzenwerten in heutigen Proben zu vergleichen.
Das ist unseriös.
Und selbst wenn die THC-Werte steigen würden, wäre das nicht gleichzusetzen mit einer höheren Gefährdung. Das kann man auch positiv interpretieren, weil der Konsument von Cannabisprodukten höherer Qualität weniger rauchen muss für die gewünschte Wirkung. Patienten, die Cannabis als Medikament verwenden, bekommen schließlich auch 100 Prozent reines THC, ohne dass sie dadurch in der Psychiatrie enden.

Ich fordere Sie auf, bei Ihrer nächsten Sendung über Cannabis gründlicher zu recherchieren und keine sensationsorientierten Unwahrheiten zu verbreiten bzw. das Thema nicht völlig verzerrt darzustellen!

Über Ihre Stellungnahme würde ich mich freuen!
Mit freundlichen Grüßen

=====================================

Erneut auf die Antwort von Herrn Steinbronn:

Sehr geehrte Damen und Herren der NANO-Redaktion, sehr geehrter Herr Steinbronn,

Steinbronn.J@zdf.de schrieb:
> ...
> danke für ihre mail (s.u.) und ihr Interesse an nano.
> Sie schreiben es ja selbst:
> "Selbstverständlich gibt es auch problematischen Cannabiskonsum und es ist bedenklich, wenn besonders junge Menschen in den Konsum einsteigen und ihn massiv betreiben."

> Um nichts anderes ging es in unserem Beitrag. Und sie fahren fort:
> "Ähnlich bedenkliche Entwicklungen gibt es ja auch bei Alkohol."
> Genau: Und deshalb hatten wir nur zum Beispiel den Beitrag "Sanitäter Alkohol" im Programm. Inhalt: Alkoholismus bei Jugendlichen nimmt weiter zu besonders bei Mädchen

Ich finde es sehr gut, dass sie auch Informationen über weitere Substanzen aufbereiten.
Mit einem solcher solchen Thematik und Überschrift an die Leute zu gehen, wie bei dem diesem Cannabisbericht, verstehe ich aber nur Populismus und Schmierenjournalismus.
Vielleicht haben Sie auch einfach den Beitrag bei ihren Kollegen von Frontal21 (auch ZDF) vom 27.11.2006 kopiert?

> Aber auch diverse Beiträge zum Nutzen von Canabis zum Beispiel in der Schmerztherapie.

Auch diese habe ich wahrgenommen.

So können also schwerstkranke Menschen, "die unter Umständen sowieso irgendwann demnächst Versterben", Substanzen gebrauchen und andere Menschen nicht? Das finde ich ziemlich morbide. Haben Sie schonmal über Diskriminierung nachgedacht?

> Im gestern gesendeten Beitrag kommen folgende Experten mit folgenden Aussagen zu Wort. Sie mögen daran erkennen, dass nicht wir irgenwelche Schlüsse gezogen haben, sondern anerkannte Experten.
> O-Ton Prof. Dr. med. Rainer Thomasius, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf:

Sie befragen "Experten" wie Herrn Prof. Thomasius, die nicht das gesamte Phänomen Cannabis beurteilen können, sondern in ihrer Praxis mit den relativ wenigen Extremfällen zu tun bekommen, während über 90 Prozent der Cannabiskonsumenten keine Probleme damit haben. Auch ist Herr Thomasisus unter seinen Kollegen sehr umstritten.
Doch selbst diese dramatisierende Auswahl der Interviewpartner reicht ihnen nicht, sie müssen noch draufsatteln und unglaubliche Behauptungen aufstellen, die wissenschaftlich schon ewig widerlegt sind.

> Wir hatten noch nie so viele Cannabisabhängige Kinder- und Jugendliche wie das zur Zeit der Fall ist. Deutschlandweit müssen wir von mindestens 150.000 abhängigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen ausgehen und fünf bis zehn Prozent einer Altersgruppe in etwa weisen problematische Cannabis-Konsummuster auf, in Großstädten sind bis zu 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler Cannabis-erfahren !

Dazu möchte ich einen Artikel des Hanf Journals zitieren, den sie auf http://www.hanfjournal.de/hajo-website/artikel/2005/08/s11-thomasius.php finden können. Durch ein bisschen Hintergrundrecherche hätten Sie das auch selber finden können:

"
Prof. Thomasisus ist Psychiater an einer Universitätsklinik und hält die Realität, die ihm dort begegnet, für die Wirklichkeit. In diese psychiatrische Falle ist nicht nur Prof. Thomasius gegangen, sondern vor ihm bereits andere, beispielsweise Professor Karl-Ludwig Täschner, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Bürgerhospitals Stuttgart, der vor allem in den achtziger und neunziger Jahren auf eine übertriebene Art und Weise vor dem Cannabis-Konsum warnte.Solche Beispiele gibt es auch aus anderen Ländern. So haben beispielsweise amerikanische Forscher im Jahre 2001 eine Studie veröffentlicht, in der sie 960 Ärzte über ihre Haltung zur medizinischen Verwendung von Cannabis befragt hatten. Es stellte sich heraus, dass Psychiater und Suchtmediziner eher negativ eingestellt waren, während Internisten und Frauenärzte eine medizinische Verwendung eher unterstützten. Die Autoren der Studie vermuteten, dass Frauenärzte und Internisten häufiger Krebspatienten sehen, denen Cannabis medizinisch helfen kann, während die anderen beiden Gruppen eher Personen sehen, die Probleme mit dem Konsum haben und daher wegen der möglichen negativen Wirkungen der Droge besorgter sind.
...
Thomasius verschafft sich durch seine übertriebenen Worte - er würde es vielleicht selbst als Zuspitzungen bezeichnen - nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch Geldmittel für seine Klinik. In der heutigen Zeit ist dies durchaus ein Erfolgsmodell. Das ändert aber nichts daran, dass Thomasius aus wissenschaftlicher Sicht regelmäßig vor allem seine Inkompetenz demonstriert.

von: Dr. med. Franjo Grotenhermen ( Internationale Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin )
"


> Dr. Peter Melchers, Chefarzt Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kreiskrankenhaus Gummersbach: Ganz eindeutig gibt es einen erheblichen Zusammenhang zwischen der immer höheren Konzentration des THCs in den Cannabisprodukten und einer ganz gravierenden Zunahme der Begleiterkrankungen, also vor allem der Psychosen, der schizophrenen Psychosen, die Patienten dann als Begleiterkrankung ihrer Suchterkrankung entwickeln.

Für diesen Zusammenhang gibt es weder Studien, noch Beweise. Ich beziehe mich lieber auf Fakten. Das sollten Sie auch machen, es täte dem Journalismus besser.
Weiterhin wäre es für jeden guten Produzenten, egal von was, ein ziehmliches K.O.-Kriterium, wenn die Ware eine schlechte Qualität aufweisen würde.
Dagegen möchte ich auch gerne andere Informationen stellen:
http://www.cannabislegal.de/cannabisinfo/wirkstoffgehalt.htm

"
20mal stärker als Hippiegras?
Vielfach werden in den Medien unkritisch Behauptungen über einen drastischen Anstieg des Wirkstoffgehalts weitergeben. Es trifft auf keinen Fall zu, dass z.B. der Wirkstoffgehalt von Cannabis heute 20mal höher sei als in den 60er oder 70er Jahren. Selbst wenn der Wirkstoffgehalt zugenommen hätte, würde zudem von Cannabis kein höheres Risiko ausgehen, weil stärker wirksames Cannabis anders dosiert wird, was viele Risiken des Konsums sogar verringert (siehe Fehler und Mißverständnisse zum THC-Gehalt in der BLF-Studie).

Behauptungen über eine Verzehnfachung oder Verzwanzigfachung des THC-Gehalts basieren auf falschen Daten: Wird Cannabis unsachgemäß gelagert (bei hohen Temperaturen lange Zeit dem Luftsauerstoff ausgesetzt), dann zerfällt THC zu CBN. Es gibt Messungen aus den 70er Jahren von Cannabis aus amerikanischen Asservatenkammern, in dem sich statt 3-4 Prozent THC nur noch ein halbes Prozent fand, dessen 3 Prozent CBN aber noch den ursprünglichen Wirkstoffgehalt verraten. Cannabis mit weniger als 2 Prozent THC ist nicht psychoaktiv. Niemand würde es mehr als einmal beim selben Dealer kaufen, weil es ganz einfach keine Wirkung hat. Warum hätten Millionen von Cannabiskonsumenten in den 60er Jahren Strafverfolgung riskiert, nur um ausser Hustenreiz keine Wirkung zu verspüren? Die Behauptung, Cannabis habe damals nur 0,5-1% THC enthalten ist ganz einfach nicht plausibel.
"

Sie beziehen sich vielleicht auch auf die EMCDDA, allerdings ist ihre Behauptung des höheren Wirkstoffgehaltes auch dort nicht haltbar:
"
Quelle

Tatsache ist, dass der THC-Gehalt von in den Niederlanden verkauftem Cannabis eine erhebliche Bandbreite hat. Bei importiertem Cannabiskraut lag er laut des Jahresberichts der EU-Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht bei durchschnittlich etwa 7%. Der zitierte Wert von 18% bezieht sich lediglich auf Cannabiskraut aus inländischer Produktion. Er lag im Bezugsjahr 2004/2005 niedriger als im Vorjahr. Ein Vergleich der in den letzten Jahren gemessenen durchschnittlichen Wirkstoffgehalte in den EU-Ländern lässt keinen einheitlichen Aufwärtstrend feststellen (siehe Grafik PPP-2 im EBBD-Jahresbericht 2006, http://stats06.emcdda.europa.eu/en/elements/pppfig02-en.html ).

Im Gegensatz zu "Drogen" wie Alkohol, merkt der Cannabiskonsument, dass er/sie berauscht ist. Da setzt Mensch sich lieber nochmal hin. Im Gegensatz dazu, ein Alkoholkonsument.. "Hoppla, jetzt komm ich. Nach 3 Bier kann ich erst richtig Fahren"....
"

> O-Ton Prof. Dr. med. Rainer Thomasius, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf:
> Die Kombination aus immer höheren THC-Gehalten in den Produkten und immer jüngeren Einstiegsalter führt zu immer mehr psychischen Störungen durch Cannabiskonsum vor allen Dingen bei Jugendlichen.

Wenn Sie richtig recherchiert hätten, wüssten Sie, dass das sog. "Einstiegsalter" seit 150 Jahren rückläufig ist - und auch schon damals war es "ein Skandal sondergleichen"

> O-Ton Dr. Peter Melchers, Chefarzt Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kreiskrankenhaus Gummersbach:
> Das kann im Extremfall auch dazu führen, dass Menschen schon in sehr, sehr jungen Jahren in eine Behinderung einmünden, indem eben diese ausgebrochene Psychose nicht mehr reversibel ist - also nicht mehr rückführbar ist in den Normalzustand - sondern zu einer dauerhaften Erkrankung wird.

-- Ich erkenne, dass der gesteigerte Neoliberalismus, mangelnde Perspektiven, vermehrte Arbeitslosigkeit, Sozialabbau und vor allem der gesteigerte Gehalt an Ellenbogengesellschaft zu immer mehr psychischen störungen führt! --

Mit freundlichen Grüßen

↑↑ Zurück zur Übersicht ↑↑

 


Der Hysterie Channel

Antwort Nr.14 vom 06.05.2007

Absender:
Baphomet
Text der Antwort:
Das sieht ganz nach "Prävention durch Abschreckung" aus, wobei es in diesem Zusammenhang den Damen und Herren von Frontal 21 (bisher von mir sehr respektiert, mit Betonung auf bisher) vollkommen gleichgültig zu sein scheint, die Wahrheit zu verdrehen, wie es Ihnen passt.
Für sowas bezahle ich doch keine Rundfunkgebühren!

Auf Arte lief eine gute Reihe über Drogen, kann ich nur empfehlen, da wurde der Thematik mal mit französischer, nüchterner(!) und sachlicher Art begegnet!

↑↑ Zurück zur Übersicht ↑↑

 


Akte Bericht vom 29.05.2007 - Deutschland, das Kiffer-Eldorado: Die Hasch-Plantage beim Nachbarn

Antwort Nr.15 vom 30.05.2007

Text der Antwort:
Sehr geehrte Akte-Redaktion! Werte Herren Ulrich Meyer, Michael Bockheim und Rolf Schäfer!

In Ihrem Bericht zu Cannabis vom 29.05.07 stellen Sie das Phänomen Cannabiskonsum und Cannabisanbau haarsträubend einseitig dar.

Sie befragen Jugendliche die ein Extrembeispiel darstellen was den Cannabiskonsum angeht, zeigen Zollkontrollen von Drogenschmugglern die nicht nur mit Cannabis ihren Handel betreiben und interviewen einen Herren der Ihr Kamerateam in seine unprofessionelle "Cannabisplantage" mit 180 Pflanzen die einen angeblichen Marktwert von 200.000 Euro haben, hereinlässt. Während über 90 Prozent der Cannabiskonsumenten keine Probleme mit ihrem Konsum haben, stellen Sie Cannabis einseitig als gefährliches Suchtmittel dar. Sie haben sich auch nicht mit den Gründen des Cannabisanbaus in deutschen Häusern befasst, denn in Deutschland boomt der Cannabisanbau nur weil der Schwarzmarkt mit gesundheitsschädlichen, Streckmittel verseuchten Cannabisprodukten überschwemmt wird. Rund vier Millionen Kiffern in Deutschland bleibt keine andere Wahl, als der Eigenanbau von Cannabis um ein streckmittelfreies Cannabisprodukt konsumieren zu können.

Selbstverständlich gibt es auch problematischen Cannabiskonsum und es ist bedenklich, wenn besonders junge Menschen in den Konsum einsteigen und ihn massiv betreiben, wie der Drogenberater für Jugendliche Andreas Gantner sehr gut erklärt hat. Ähnlich bedenkliche Entwicklungen gibt es ja auch bei Alkohol und obwohl Alkohol noch viel gesundheitsschädlicher ist als Cannabis, werden die Millionen Alkoholkonsumenten die mit der Droge Alkohol umgehen können, vom Staat nicht kriminalisiert wie es bei Cannabis der Fall ist. Darüber hinaus wird noch massiv Werbung für Alkoholprodukte betrieben, obwohl die Bundesregierung weiß, dass man der Droge Alkohol keine Unbedenklichkeitserklärung ausstellen kann.
Im Deutschen Ärzteblatt finden sie Informationen über die Gefährlichkeit von Drogen und da wird deutlich klar, dass Cannabis weit weniger schädlich als Alkohol ist.

Es ist daher nicht gerechtfertigt, Cannabis in so dramatischer Weise als extrem gefährliches Rauschmittel darzustellen. Das entspricht nicht den Tatsachen. Auch der angeblich angestiegene THC-Gehalt und die damit verbundene Sucht ist da kein Argument. Die Behauptung der angestiegenen Wirkstoffgehalte und der daraus folgenden Sucht ist nicht belegbar. Im Fachmagazin Grow! Ausgabe 02/07 wurde Berichtet, dass die in den 60er Jahren untersuchten Pflanzen komplett zerkleinert wurden und daraus der THC- Gehalt ermittelt wurde. Heutzutage weiß die Wissenschaft, dass sich der Wirkstoff THC in den Blüten befindet und deswegen werden nur noch die Blüten untersucht. D.h. es werden Schnittwerte von damals mit Reinwerten von heute verglichen. Zudem gibt es heutzutage den Unterschied zwischen Nutzhanf und Rauschhanf. Nutzhanf wird in der Industrie verwendet und darf nur angebaut werden, da der THC- Gehalt unter 0,3 Prozent liegt. Davon könnte man ein ganzes Feld rauchen ohne eine Wirkung zu haben, höchstens Kopfschmerzen. Außerdem wurden bei den Untersuchungen von Cannabis aus den 60er Jahren aus Asservatenkammern, weder die extrem schlechte Lagerung, welche den Abbau von THC beschleunigt berücksichtigt, noch wurden Messungen von CBN gemacht, in dessen Stoff das THC bei schlechter Lagerung zerfällt, um Rückschlusse zu ziehen wie viel THC das Cannabis tatsächlich hatte.

Und selbst wenn die THC-Werte steigen würden, wäre das nicht gleichzusetzen mit einer höheren Gefährdung. Das kann man auch positiv interpretieren, weil der Konsument von Cannabisprodukten höherer Qualität weniger rauchen muss für die gewünschte Wirkung. Patienten, die Cannabis als Medikament verwenden, bekommen schließlich auch 100 Prozent reines THC, ohne dass sie dadurch in der Psychiatrie enden.

Ich fordere Sie auf, bei Ihrer nächsten Sendung über Cannabis gründlicher zu recherchieren und keine sensationsorientierten Unwahrheiten zu verbreiten bzw. das Thema nicht völlig verzerrt darzustellen! Sollten Sie Fragen zum Thema Cannabis haben, empfehle ich Ihnen den Besuch des Webangebotes des Deutsche Hanf Verbandes.

Über Ihre Stellungnahme würde ich mich freuen!
Mit freundlichen Grüßen

↑↑ Zurück zur Übersicht ↑↑